Samstag, 10. Dezember 2005

Buenos Aires

Gerade bin ich in der Hauptstadt Argentiniens angekommen. Nach einer 7-stuendigen Busfahrt bin ich am letzten Punkt meiner Reise angekommen.

Das Hostel "Portal del Sur ist fantastisch und somit das Beste auf meiner gesamten Reise. Die Zimmer sind super huebsch, alles ist pickobello sauber, es gibt eine herrliche Dachterasse, Tanzstunden, Internet und die Einrichtung ist so stilvoll: genial! Vorallem sind wir hier sehr zentral in Buenos Aires City.

Ich wohne hier im gleichen Zimmer mit Melissa und Nicola, die ich in Cordoba bereits kennen lernte. Es ist schoen mit ihnen noch einen weiteren Tag verbringen zu koennen. Leider geht es fuer sie morgen weiter nach Lima in Peru.

Wir sind auch gleich unterwegs.

Madres de Plaza de Mayo

Die Tage in Sante Fe vergehen so schnell. Wir verbringen viel Zeit im Kreise der argentinischen Freunde Ricardos. Dies macht den Aufenthalt doch sehr speziell.

Gestern waren wir am Abend auf einer Demonstration fuer Menschenrechte, wobei ich einiges ueber Argentiniens Geschichte gelernt habe.
Die "Madres de Plaza de Mayo" (Muetter des Plaza de Mayo) haben mich stark beruehrt und deshalb duerfen sie auch in meinem Reisebericht nicht fehlen.

Wie in Chile (1983) kam es einige Jahre vorher in Argentinien zum Militaerputsch. General Videla enthob am 24. Maerz 1976 die Praesidentin Isabel Perón ihrer Aemter und bereitete den Weg fuer ein Junta-Regime. Dieses ging rigoros gegen Regimegegner vor. Ein negativer Höhepunkt dieser Zeit war das sogenannte “Verschwinden lassen” von Personen. Oft wurden Menschen aus ihren Wohnungen oder Arbeitsplätzen entführt, manchmal grundlos auf der Straße verhaftet. Viele von ihnen verschwanden auf diese Weise für immer.

Daraufhin wurden die "Madres de Plaza de Mayo" aktiv. Die erste Versammlung auf der Plaza de Mayo (Buenos Aires) fand am Samstag, dem 30. April 1977 statt, doch sie wurde kaum bemerkt und so beschlossen die Frauen in der nächsten Woche am Freitag wiederzukommen. Da auch an jenem Tag nicht genügend Aufmerksamkeit erregt werden konnte, wurde in der darauffolgenden Woche der Donnerstag als Versammlungstag gewählt - und ist es bis heute geblieben.

Die Madres versammelten sich jeden Donnerstag vor dem Präsidentenpalast, auf der Plaza de Mayo, um friedlich zu protestieren. Anfangs standen sie einfach still da. Später, als immer mehr Mütter zu den Versammlungen stießen, kam es zu Problemen mit der Polizei. Die Frauen wurden aufgefordert nicht einfach nur da zu sitzen, denn das sei bei so vielen Menschen bereits eine (unerlaubte) Versammlung. Die Frauen weigerten sich weg zu gehen. Die Folge war, dass die Polizei auf sie einschlug. Schließlich begann sich die Versammlung doch in Bewegung zu setzen, die Frauen marschierten - teilweise eingehakt. Sie marschierten und marschieren noch immer für ein Ziel: Informationen darüber, was mit ihren Kindern geschehen ist; und für die Freilassung der Inhaftierten. Zwei Jahre nach dem ersten Treffen beschlossen die Madres, eine offizielle Vereinigung zu gründen und am 22. August 1979 war es schließlich so weit.

Die Bewegung der Madres wuchs heran und noch heute treffen sich jeden Donnerstag Frauen auf der Plaza de Mayo, um zu protestierten. Viele dieser Frauen und ihrer Verwandten wurde im Laufe der Jahre ebenfalls inhaftiert und eine nicht geringe Anzahl verschwand damit ebenso spurlos wie die Angehörigen, gegen deren Verschwinden sie protestiert hatten.

Nach wie vor gehen Frauen (und auch Männer) auf die Straße. Sie protestieren gegen das Verschwinden ihrer Söhne, Töchter, Ehemänner und Ehefrauen. Sie verlangen Auskunft darüber, was mit jenen passiert ist, die zwischen 1976 und 1983 von der Junta festgenommen wurden und für immer verschwanden.

Wenngleich die Madres ihr ursprüngliches Anliegen, den Protest gegen das Verschwinden Tausender Menschen und die Forderung nach Aufklärung nie aus den Augen verloren haben, so hat sich das Betätigungsfeld doch entscheidend erweitert. Die Madres haben eine eigene Universität gegründet, veranstalten spezielle Veranstaltungen für Frauen(-gruppen) und versuchen durch weltweite Vorträge, auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen und Menschen für die Probleme zu sensibilisieren.

Donnerstag, 8. Dezember 2005

Santa Fe - sehr argentinisch

Den letzten Tag in Cordoba (Dienstag) haben wir sehr entspannt verbracht, waren shoppen und Kaffee trinken. Naja soweit zu den Highlights, also ganz relaxt und easy...

Am Mittwoch Morgen habe ich dann mal wieder meinen Rucksack zum Busterminal geschleppt, von wo aus es um 7:30 Uhr in Richtung Osten nach Santa Fe ging.

Santa Fe ist viel kleiner und uebersichtlicher als Cordoba, aber auch eine typische Studentenstadt.

Meine ehemaligen Mitbewohner Deborah und Edwin haben hier einen Bekannten, bei dem wir derzeit wohnen und das argentinische Studentenleben geniessen. Das ist naemlich nicht nur eine guenstige Alternative zum Hostel, vielmehr erleben wir hautnah den argentinischen Lebensstil.

Gestern hat Ricardo einige seiner Freunde eingeladen und wir haben den Abend gemuetlich mit regionalem Wein, nicaraguanischem Rum und Empanadas begonnen.

Natuerlich durfte eine Runde Mate nicht fehlen. Das ist das Nationalgetraenk ueberhaupt und hat seine Wurzel in praekolumbianischer Zeit. Schon die Ureinwohner schluerften diese Kraeutermischung, welche die Argentinier ueberall trinken: im Park, Bus, zu Hause, auf Arbeit! Immer und ueberall...
Serviert wird die Kraeutermischung in einem tassenaehnlichen Gefaess. Durch eine Art metallenen Strohholm wird die Fluessigkeit getrunken und staendig wieder neu aufgebrueht mit heissem Wasser.
So ein Mate geht dann in der Runde auf Wanderschaft und hat meiner Meinung nach starken sozialen Charakter.
Na und in der Oeffentlichkeit fuehlt man sich dann natuerlich vollkommen zugehoerig, wenn man mitschluerfen kann! ;o)

Keine Angst, meinem Gepaeck hat sich natuerlich dieses wunderschoene Getraenk bereits angeschlossen: also werdet ihr meine lieben Freunde und Familienmitglieder bald auch eingematet.

Bei der Gelegenheit die Argentinier naeher kennen zu lernen, ist mir aufgefallen, dass meine Sprachstudien endlich fruchten. Mittlerweile kommen mir solche Gespraechsrunden nicht mehr ganz so "spanisch" vor. Auch wenn ich noch nicht alles verstehe und weiterhin Probleme habe mich auszudruecken, so spuere ich doch deutlich meine Fortschritte, jippie ;o)
Naja, es gibt halt auch grossen Unterschiede von Land zu Land und die Chilenen haben einen schlechten Ruf wegen ihres Spanischs!!!

Spaeter am Abend sind wir dann ins Nachtleben Santa Fe¨s eingetaucht, welches wir erst zur Morgendaemmerung verliessen.

Dienstag, 6. Dezember 2005

Alta Gracia

Der heutige Tag fuehrte uns in das kleines Doerfchen "Alta Gracia", ca. 35 km in suedwestlicher Richtung von Cordoba entfernt.

Nach dem wunderschoenen gestrigen Tag, bezeichneten wir (Melissa, Nicolas und ich) uns als ideales Reiseteam und so konnte uns nichts von weiteren gemeinsamen Ausfluegen abhalten. Es ist doch immer wieder eine Freude solche nette Menschen kennen zu lernen und viele eindrucksvolle Stunden miteinander zu verbringen.

In Alta Gracia lebte Ernesto Guevara, ueberall als Chè Guevara bekannt. Er war Sozialrevolutionaer und massgeblich an der kubanischen Revolution beteiligt. Nach seinem Tod galt er als Idol der revolutionär gestimmten Studentenbewegung in der westlichen Welt.
Ché wohnte einige Jahre seiner Kindheit in einer Villa, die heute als Musuem fungiert.

Sehr interessiert verbrachten wir einige Stunden dort und informierten uns ueber den argentinischen Revolutionaer. Danach schlenderten wir durch den Ort, der sehr schoen inmitten der Sierras Chicas gelegen ist.

Gegen 4 Uhr Nachmittags trieb uns der Hunger in ein Restaurant, wo wir mehrere Stunden plaudernderweise bei argentinischem Essen und natuerlich auch einheimischen Wein verbrachten. Wir genossen eine wunderbare Konversation und nur schwer konnten wir uns fuer die restliche Stadt begeistern.

Letztendlich war diese nicht besonders aufregend, nur die Lage inmitten der gruenen Berge versetzte uns auf Neue ins Staunen. Nicht das es spektakulaer gewesen ist, aber einfach nett und sehr huebsch.

Den Abend lassen wir gerade gemuetlich im Hostel beim Pizzaabend ausklingen. Morgen Abend geht es fuer uns drei schon wieder weiter und wir werden uns schweren Herzens trennen muessen.

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