Chile

Freitag, 2. Dezember 2005

Es kommt doch anders, als man denkt

Ein erneuter Gruss ereilt Dich aus Santiago :-)
Ja die Stadt will mich nicht gehen lassen oder will ich Chile nicht verlassen?

Nach einem verkaterten Morgen habe ich es gestern erst am fruehen Nachmittag zum Busterminal geschafft, nur um festzustellen, dass der naechstmoegliche Bus erst heute Morgen direkt nach Cordoba faehrt.
Nun gut, nach meinem Trennungsschmerz war ich auch gar nicht boese noch eine weitere Nacht hier zu bleiben.

Nun habe ich allerdings ein Busticket in der Tasche und um 14:45 Uhr geht es los!

Donnerstag, 1. Dezember 2005

Der Tag ist gekommen

Nach einer richtig gelungenen "Buon-Voyage-Abschiedsfeier" (siehe Fotos) in Santiago sitz ich nun schon auf gepackten Koffern und kann nicht glauben, dass hier bereits 3 Monate vergangen sind.

In wenigen Minuten werde ich die U-Bahn zum Busbahnhof nehmen und dann geht es nach Argentinien.

Ein weiteres Mal muss ich mich verabschieden und Leute zuruecklassen, die ich mittlerweile zu meinen Freunden zaehle! Sowas faellt sehr schwer und reduziert die Vorfreude auf weitere Reiseziele. Obwohl mich neue und interessante Dinge erwarten, empfinde ich gerade keine Lust.

Stimmung: tief traurig!

Mittwoch, 30. November 2005

Santiago Adè

Mein letzter Tag hat begonnen und schon um 6 Uhr morgens konnte ich nicht mehr schlafen vor Nervositaet, Abschiedsschmerz und der Gedanke an all die Erledigungen!

Fuer den Abend muss fuer ca. 10 Leute gekocht werden (4 Pizzen, Tzaziki & Aioli mit Brot, Gugelhupf und Bowle), das Zimmer soll geputzt sein und die problematische Packzeremonie hat begonnen. Was sich innerhalb 3 Monate alles ansammeln kann ist der Wahnsinn.

Morgen geht`s los und Dich nehm ich mit!!!! Auf nach Argentinien...

Montag, 28. November 2005

Wo gute Tropfen gewonnen werden

Nach der langen Nacht am Samstag, in der wieder ordentlich getanzt wurde - schliesslich war dies mein letztes Wochenende in Santiago - ergab sich fuer mich ein wunderschoener letzter Sonntag in Chile.

Es war der Abreisetag der Ritter´s, jenes Paearchen welches ich am Dienstag in La Isla Negra kennen lernte. Grosszuegigerweise luden sie mich erneut ein und so verbrachten wir den Tag zusammen mit einer Ausfahrt nach Buín auf das Weingut "Santa Rita".
Natuerlich kann ich Chile nicht verlassen, ohne jemals auf einem chilenischem Weingut gewesen zu sein.

Santa Rita ist ein sehr traditionsreiches Gut, welches 1880 im Maipotal (ca. 30 km vor den Toren Santiagos) gegruendet wurde. Bernardo O´Higgins (chilensicher Unabhaengigkeitskaempfer) versteckte sich hier nach der Niederlage bei Rancagua mit 120 seiner Getreuen, weshalb die Hausmarke bis heute "120" heisst.

Heute nimmt die riesige Hacienda eine Flaeche von 2.860 Hektar ein und verfuegt ueber ein wahnsinnig huebsches Heerenhaus mit Ziergarten und Restaurant.
Dorthin fuehrte uns der hungrige Magen zuerst. Das Ambiente war so klassisch und wunderschoen. Natuerlich gab es einen guten Tropfen eigenerzeugten Weissweins zum Fisch. Also solch edles Essen habe ich auf meiner Reise bisher selten gegessen, weshalb ich diesen Ausflug sehr genossen habe.

Im Anschluss wurden wir durch das Weingut gefuehrt.
Doch auch ein so schoener Sonntag muss einmal zu Ende gehen, obwohl wir sicherlich noch gern laenger im Garten gesessen und geschwatzt haetten.

Mit diesem Artikel sende ich Gudrun und Bernd ganz liebe Gruesse nach Graz in Oesterreich!!!

Freitag, 25. November 2005

Weiter auf den Spuren Nerudas

Am Dienstag ging es ein letztes Mal mit Ariel zu dessen Grosseltern nach Laguna Verde. Diesmal hat er einen ganzen Monat durchgearbeitet, damit er 2 Tage hintereinander frei bekommt.
Ja die Chilenen sind ein fleissiges Volk, sehr viele Menschen (speziell in der Gastronomie und im Tourismus) arbeiten hier 6 Tage pro Woche. Dabei koennen sie sich allerdings noch nicht mal im Ansatz das leisten, womit wir uns in Europa das Leben angenehmer machen.

Nach einem deutschen Fruehstueck mit frischen Broetchen, O-Saft und massenweise Belegmoeglichkeiten, sind wir kaum hungrig in Valparaiso eingetroffen. Allerdings sind wir lange durch die traumhaft schoene Stadt geschlendert. Mich begeistert Chiles groesste und bedeutenste Hafenstadt immer wieder aufs Neue. Wie ein Amphietheater umschliessen die 42 Huegel die Bucht und den grossen Hafen.

Allerdings ist der Wetterumschwung stets sehr gross, waehrend man in Santiago kaum atmen kann und in der Sonne bruzelt, weht am Strand doch fast schon eine kuehle Brise und der Himmel ist oft bedeckt.
Bevor es dann nach Lagune Verde ging, sind wir allerdings in einem typischen Fischrestaurant "Proa al Cañaveral" gewesen und haben uns frischen Fisch und chilenischen Weisswein schmecken lassen.

Die Zeit in Lagune Verde haben wir wie sonst auch herrlich entspannt verbracht, waren am Strand, spazieren und haben viel mit Ariels Grosseltern geschwatzt.

Da Ariel am Donnerstag wieder arbeiten musste, habe ich mich entschlossen noch einen weiteren Tag an der Kueste zu bleiben und mich erneut auf die Spuren Nerudas gemacht.

Der Dichter hatte naemlich durch seine Liebe zu Valparaiso, oder "Valpo" wie die Bewohner ihre Stadt liebevoll nennen, ein huebsches Haueschen dort gekauft. Dorthin ging meine erste Etappe. Schon wie die "Chascona" war die Einrichtung so stilvoll. Von jedem Zimmer konnte man auf die Bucht und die Stadt schauen. Es vermittelte den Eindruck wie ein kleines Valparaiso an sich, mit engen Treppchen und bunten Ecken.

Am Nachmittag stand dann noch der Besuch von "La isla negre" an. Obwohl der Name anmutet, dass es sich um eine Insel handelt, so ist es doch "NUR" ein kleines Doerfchen am Strand, ca. 1,5 Busstunden von Valpo entfernt. Hier hat sich Pablo Nerude mit seiner 3. Ehefrau Matilde ein wunderschoenes Haus gebaut. Mit direktem Meerblick hat er ein heerlich verspieltes Anwesen kreiiert und seiner Sammelleidenschaft Raum gegeben.

Bei einer spanischsprachigen Fuehrung habe ich ein nettes Paearchen aus Oesterreich kennen gelernt, die Ritter´s. Gluecklicherweise konnte ich ihnen mit meinen Spanischkenntnissen einige Informationen weitergeben, ueber die sie sich sehr freuten. Nach der Besichtigung kamen wir noch ein wenig ins Gespraech und so nahm ich doch gern deren Einladung zum Mittagessen an. So hatten wir die Moeglichkeit ein herrliches Fischgericht mit dem Blick zu uns zu nehmen, den Pablo zu vielen seiner Gedichte inspirierte...

Ein rundum schoener Tag!

Sonntag, 20. November 2005

Das Wuschelkopfhaus (La Chascona)

Wer die Moeglichkeit hat, ein Land ueber einen laengeren Zeitraum kennen zu lernen, der trifft ueber kurz oder lang auf deren Helden und Idole.
In Chile wurde ich schon gleich zu Anfang auf verschiedene Persoenlichkeiten aufmerksam.
Beispielsweise auf den Folkoriker Victor Hara, der unter Pinochets Militaerputsch grausam gefoltert und ermordet wurde.
Ich persoenlich empfinde Chile als ein Land voller Poeten, Dichter und Liedermacher. Roberto Bolano, Gabriela Mistral und Violetta Parra, um nur einige Namen zu nennen.

Der Nationalheld Chiles ist jedoch der Dichter Pablo Neruda. Waehrend meines Aufenthaltes in diesem Land habe ich bereits viele Werke von dem Nobelpreistraeger gelesen und auch einige Biographien konsumiert.
Er fuehrte ein ausergewoehnliches Leben, staendig verfolgt fuer seine politische Ueberzeugung und doch voller patriotischer Liebe fuer sein Land und sein Volk.
Er lebte viele Jahre als Botschafter in Europa, Asien und in Mexiko.

Seine 3. Ehefrau, Matilde Urrutia, verfasste ein Buch ueber ihr Leben mit ihm. Voller Einfuehlungsvermoegen schilderte sie ihre tiefe Liebe und viele Ereignisse aus deren gemeinsamen Leben bis nach dem Tod Nerudas.

Obwohl Pablo Neruda an einem Krebsleiden erlag, so folgt sein Tod doch nur wenige Tage dem gewalttaetigen Ableben der Regierung Allendes. Als ueberzeugter Kommunist sah er fuer sein Volk nach der Uebernahme Pinochets keine Hoffnung mehr. Viele Jahre lang wurden seine Werke verboten.

Heute ist Pablo Neruda wieder in aller Munde und es ist auch moeglich seine Haeuser zu besichtigen.
La Chascona war sein Domizil in Santiago, welches er als nach dem wilden Wuschelkopf Matildes benannte.

Gestern haben Carlos und ich einen Ausflug dahin unternommen und so fuehlte ich mich doch gleich ein bisschen mehr verbunden. Ich entdeckte Gegenstaende von denen Matilde in ihrem Buch berichtete und wusste genau wo und wie diese gekauft wurden.
Das nenn ich Geschichtsunterricht bzw. Landeskunde hautnah!

Samstag, 19. November 2005

Modernes Santiago

Gerade sitze ich in Santiagos neuester Errungenschaft: einer hypermodernen Bibliothek auf der Matucana 151.

Ich als Buecherwurm kann solchen Verlockungen nicht lange wiederstehen und so zog es mich heute, eine Woche nach der Eroeffnung hierher.

Es ist so fantastisch, auf 3 Etagen gibt es mehrere Saeale mit unterschiedlichen Themenbereichen. Ueberall kann man sich auf gemuetlichen Couches niederlassen und schmoeckern. Ja und das technische Know-how ist weltklasse, alle Rechner (und das sind viele) sind mit Flachbildschirmen ausgestattet und haben Webcams und Headsets.

Dies dient eigentlich nur als Beispiel fuer den oekonomischen Aufstieg Chiles. Ueberall wird gebaut und modernisiert. Derzeit wird ein neues Bussystem eingefuehrt, welches die vielen kleinen privaten Busunternehmen abloesen soll. Ab Januar 2006 gibt es dann Fahrplaene, Buslinien und das Chaos hat ein Ende.
Was sich die Chilenen nicht nehmen lassen wollen sind die Verkaeufer, die waehrend der Fahrt ihre Waren anbieten. Ja und wer kann bei den jetzigen Temperaturen schon auf ein Eis im Bus verzichten?
Chilenische Kultur soll bitte erhalten bleiben!!!

Donnerstag, 17. November 2005

Wie Weihnachten?

Mit grosser Wehmut sehe ich meinen letzten Tagen in Santiago entgegen. Noch 2 Wochen lebe ich hier, denn endlich konnte ich den Entschluss fassen, in meinen letzten zwei Wochen, zu reisen.
Diesmal werde ich allerdings keinerlei Anhaltspunkte geben, wohin meine Reise fuehrt. Vielmehr wirst Du von einem Beitrag zum naechsten durch Suedamerika gefuehrt.

Hier wird es mit jedem Tag heisser und wie komisch kommen mir da die Weihnachtsdekorationen vor! In Deutschland wird es ja staendig kaelter und neulich soll es den ersten Schnee gegeben haben. Also ich komm hier nicht in Adventsstimmung und die deutschen Weihnachtsmaerkte scheinen mir so weit weg wie der Mond.

So die letzten Tage werde ich mich ganz der Entdeckung Santiagos hingeben. Soviel gibt es noch zu besuchen und anzuschauen... obwohl ich doch schon seit fast 3 Monaten hier bin!!!

P.S.: Im Argentinien-Bilderalbum befinden sich vier aktuelle Fotos von unserem Ausflug nach Mendoza!

Freitag, 11. November 2005

Tatsaechlich vergessen

Heute zaehlen wir nun tatsaechlich schon den Tag der Karnevalseroeffnung! Mensch, das haette ich ohne eine Erinnerungsemail doch wirklich vergessen und dabei hielt ich mich fuer die groesste saechsiche Karnevalskanone ueberhaupt.

Gluecklicherweise war ich gestern Abend mit Ariel tanzen (Merengue, Salsa und Reggeton), was zeitlich ja in etwa auf die Stunde der Pappnasen faellt. So habe ich mich letztlich doch etwas ausgesoehnt mit der Situation.

Ich wuensche allen Koelnern und Karnevalsbegeisterten eine fantastische 5. Saison. In Gedanken bin ich jede Minute dabei...

Mittwoch, 2. November 2005

Todos los Santos

Der heutige Tag ist mal wieder ein Nationalfeiertag in Chile.

Allerdings wird "Todos los Santos" oder auch "El día de los muertos" (entspricht in etwa Allerheiligen) im gesamten lateinamerikanischen Kontinent gefeiert. Seinen Ursprung findet der Tag bereits in praehispanischer Zeit im Reich der Azteken (ungefaehr im heutigen Mexiko). Im Zuge der spanischen Conquista und der damit verbundenen Auferlegung des katholischen Glaubens, wurde das Fest der Eingeborenen mit den katholischen Vorstellungen vermischt.

Es gibt jedoch noch immer grosse Unterschiede in Lateinamerika, in welcher Art dieses Fest gefeiert wird. In Laendern mit grossem Einfluss der indigenen Bevoelkerung (Bolivien, Guatemala etc.) werden viele traditionelle Braeuche gewahrt.
So werden Altare in den Haeusern der Familien errichtet, auf denen sogenannte Opfergaben (Suessigkeiten, Zigarren oder Schnaps) fuer die Toten angeboten werden. Es existiert der Glaube, dass in der Nacht die Verstorbenen fuer eine kurze Zeit in das Heim zurueck kehren.
Die gesamten Festlichkeiten werden, vorallem in kleinen Doerfern, von allen Bewohnern begangen, wobei die Tueren zu den privaten Haeusern offen stehen und ein Gang zum Friedhof dazu gehoert.

In Santiago ist dies natuerlich nicht so traditionell. Zum einen ist der Anteil der indigenen Bevoelkerung hier sehr gering und zum anderen finden solche gesellschaftlichen Ereignisse, wenn ueberhaupt, dann in kleinerem Rahmen statt. Wer wuerde hier schon seine Tueren unverschlossen lassen?!

Deshalb stand fuer uns fest, dass ein Gang zum Generalfriedhof unabdingbar war. Zum einen interessierte mich natuerlich, wie so ein Grossfriedhof in Lateinamerika angelegt ist und zum anderen wollte ich miterleben, wie die Bewohner Santiagos ihrer Toten gedenken. Ausserdem befinden sich auf diesem Friedhof die letzten Ruhestaetten vieler bedeutender Chilenen.

Der "Cementerio General" befindet sich im Norden der Stadt auf einem riesigem Areal und wirkt wie eine kleine Stadt in sich. Es gibt betonierte Strassen, wovon links und rechts mehrstoeckige Gruften abgehen. Das ist schon ein seltsamer Anblick!!! Auch hier wird der Unterschied zwischen armen und reichen Menschen klar. Die Gruften von wohlbetuchten Menschen sind mondaen und riesig, waehrend die aermeren Leute in diesen mehrstoeckigen Haeusern bestattet werden. Viele Baeume saeumen die Anlage und spenden Schatten.

Der heutige Andrang war immens, wobei es teilweise den Anschein einer Festwiese hatte. Ueberall gab es Erfrischungen und Knabbereien. Die Blumenhaendler hatten machten ein riesiges Geschaeft.

Am Samstag Morgen fahre ich mit Edwin, Debbie und deren Eltern fuer 4 Tage nach Mendoza in Argentinien. Von dieser Reise werde ich sicherlich wieder einiges zu berichten haben und vorallem auch neue Fotos einstellen.

Seit heute befinden sich im Fotoalbum weitere Bilder von der Tanzveranstaltung (unter anderem auch von meinem peinlichen Auftritt), sowie vom Friedhof "Cementerio General".

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