Hongkong
Mittwoch, 2. Februar 2005
Bald schon beende ich meine erste Reiseetappe durch China. Die letzten Tage in Hongkong gehe ich total smooth an, denn meine Erkaeltung macht nicht gerade Lust auf Stress und Action. Ausserdem habe ich soweit alle Sehenswuerdigkeiten besucht, die mich interessieren. Nun geht es nur noch darum die Atmosphaere hier aufzusaugen. In mancher Hinsicht erinnert mich Hongkong an NYC, auch hier es ist sehr speziell. Vorallem ist das Wetter seit Anfang der Woche besser geworden, sodass nicht die ganze Stadt im Smog verschwindet.
Vorgestern habe ich mich aufgerafft und bin nach Macau gefahren. Als erste Kolonie im suedostasiatischen Raum gehoerte sie bis 1999 noch zu Portugal. Von Hongkong benoetigt man mit der Faehre nur 1 Stunde fuer die 74 Kilometer Seeweg.
Der Kontrast zum hektischen und riesigen Hongkong ist immens. Macau ist relativ klein (1/4 der Flaeche von Hongkong Island) und um die Mittagszeit sehr mediterean mit einer richtigen Siesta. Allerdings war ich sonst enttaeuscht, weil viele Plaetze und Haeuser total verwahrlost und schmutzig sind. Hab mir das anders vorgestellt, deshalb konnt ich den Flair nicht empfinden, von dem in vielen Reisefuehrern die Rede ist. Auffallend waren die vielen Kirchen, die ich sonst in China nicht gesehen habe. Dafuer war ich in den letzten 4 Wochen sicherlich in 100 verschiedenen Tempeln: buddistische, konfuzianische und daoistische!
Gestern Abend habe ich zwei Kommilitoninnen von Romy getroffen, die auch gerade durch China reisen. Es war total schoen sich mal wieder fuer ein paar Stunden zu unterhalten, ohne zu smalltalken. Zuerst haben wir uns die Lichtershow am Hafen angeschaut. Danach sind wir noch ins Kino gegangen, um "Alexander" zu sehen. Gluecklicherweise kam der in englischer Sprache, denn mein Chinesisch ist noch nicht so gut ;-) Guter Film im Uebrigen!
Heute morgen gab es den SCHOCK schlechthin. Ich musste noch meinen Flug nach Deutschland fuer Dezember umbuchen lassen und Baptista (meine Agentin) kuckte mich schon gleich total besorgt an, als ich sorglos und entspannt ins Buero spazierte.
Und zwar hat mein Reisebuero in Deutschland einfach so meinen Flug morgen von Hongkong nach Sydney storniert :-0!!! Die haben mir weder Bescheid gegeben, noch haben sie mich informiert... Das ist doch ne riesige Sauerei! Ich hab da gleich mal ne Anfrage gestartet, was das soll!?! Gluecklicherweise konnte ich den Abflug ohne Probleme umbuchen. Somit flieg ich schon in wenigen Stunden. Aber morgen waere kein Platz mehr gewesen. Also sowas.... tztztz! Nun muss ich mich noch mental auf meinen 9-stuendigen Flug einstellen... oooohm!
Die letzten 4 Wochen waren total aufregend und meine Reise durch China hat mich ungemein bereichert. Ein tolles Land, dem man die Aufbruchstimmung anmerkt. In den naechsten Jahren wird sich sicherlich viel veraendern und ich bin gespannt in welche Richtung das laufen wird....
Nun freu ich mich auf Sydney.... Meine neue Mitbewohnerin Sharilee wird mich am Flughafen abholen. Ich bin ganz gleucklich nach einer laengern Reiseetappe nun bald wieder einen Alltag zu haben mit einem Zuhause und einem Job. Daumen druecken, dass ich schnell was finde!
sylvia - 2. Feb, 05:41
Samstag, 29. Januar 2005
Nach nunmehr 3 Tagen in Hongkong kommt es mir so vor, als waere ich der Experte schlechthin. Mittlerweile habe ich mich ganz gut ins Faehren-Bus-Metronetz reingefuchst, was mir zu Beginn noch super kompliziert erschien. Doch wenn man sich damit befassen muss, dann kommt man ganz schnell rein.
Ich bin gestern Starbucks abtruennig geworden und aus drei Gruenden zu Pacific Coffee gewechselt: hier gibt es viel mehr gemuetlich Couches, viel mehr Auswahl beim Kaffee und kostenlosen Internetzugang! Hossa... Auch sonst sind die Gebuehren nicht hoch, aber in den Internetcafes ist es furchtbar laut und kalt und dunkel. Da bevorzuge ich das Cafe schon viel mehr, denn hier kann ich nebenher noch rauskucken auf die Strasse... Menschenkino!
Gestern war ich auf der Insel Lantau, wo sich die groesste freistehende Buddhastatue befindet. Nachdem ich gelesen habe, dass sie erst vor 10 Jahren dort errichtet wurde, war meine Begeisterung nicht mehr ganz so gross. Ausserdem spielte auch das Wetter nicht mit: es regnete und war neblig! Somit konnt ich meine Wanderung auch vergessen, denn es ging querfeldein und ich hatte keine Lust auf nasse Fuesse, die noch nicht mal mit einem begnadeten Ausblick belohnt worden waeren. Na erkaeltet habe ich mich auch ohne nasse Fuesse...
Abends habe ich mir dann die speziellen Maerkte vorgenommen. In Hongkong gibt es einen Marktplatz bzw. eine Strasse fuer jedes Sortiment, das in europaeischen Kaufhaeusern eine neue Abteilung bilden wuerde. Zum Beispiel einen Stoffmarkt, einen Schmuckmarkt und einen Tiermarkt.
Am schoensten fand ich den Vogelmarkt. Dort war ein Krach durch die Tiere, unglaublich! Ueberwiegend alte Maenner liefen dort mit ihren Vogelkeafigen herum und debatierten ueber ihre Lieblinge.
Weiter ging es dann ueber den Blumenmarkt, wo es herrlich duftet und natuerlich auch toll aussieht. Orchideen, Orangenbaeume und Dalien en masse, ach da geht mir das Herz auf.
Der Fischmarkt war schon witzig, denn neben Essfisch kann man da auch Zierfische in Plastiktueten kaufen.
Der heutige Tag begann mit einigen organisatorischen Dingen, denn ich musste im Quantasbuero meine Fluege umbuchen. Da Conny mich nach Neusseland begleiten wird, wollten wir gern unsere Fluege anpassen. So werden wir ab dem 7. Juli 05 erst Melbourne und nach dem 12. Juli 05 auch Neuseeland gemeinsam unsicher machen: TUSCH! Obwohl mir das Alleine-Reisen schon gar nix mehr ausmacht, bevorzuge ich es doch in Begleitung. Beide Reiseformen haben was fuer sich... Allein achte ich viel mehr auf Details und lern schneller neue Leute kennen, in Begleitung ist man ja meistens selbst am quasseln, zumindest ich! Na aber dazu habe ich ja nun auch die beste Begleitung gefunden!!! Freu mich... ;o)
Das Umbuchen war kein Problem, problematischer war es das Buero zu finden. So ging schon der halbe Vormittag dafuer drauf. Die andere Haelfte verbrachte ich dann damit, die Ticketschalter fuer die Faehre nach Macau zu suchen.
Da fuer eine grossen Ausflug nicht mehr die Zeit war, bin ich mit der Bahn in die New Territorries gefahren. Das sind sogenannte Trabantenstaedte, die sich entwickelt haben, als die Insel Hongkong buchstaeblich aus allen Naehten platzte.
Vielleicht ist es an dieser Stelle ganz sinnvoll einen kleinen geschichtlichen Einblick zu Hongkong zu geben. Also gruebel, gruebel: Hongkong war (seit wann auch immer) britische Kolonie und fungierte als Umschlagplatz fuer den Opiumhandel. Opium war damals (wann auch immer) die einzige Ware, mit der die Chinesen breit waren ihr kostbares Porzellan und Kraueter zu handeln. Naja, letzten Endes stand dieses Gebiet halt staendig unter europaeischem Einfluss und im Zuge der Isolierung Chinas wurde es auch Zufluchtsstaette fuer viele Chinesen. Deshalb stieg die Bevoelkerungsdichte immens an und neue Gebiete mussten zwangslaeufig erschlossen werden. Dabei entstanden die Trabantenstaedte, die eine selbstaendige Infrastruktur haben und als Pendlerwohnstaedte dienen.
Den heutigen Abend lass ich im Cafe ausklingen, mit meinem Buch in einer dicken, roten Plueschcouch... :o)
sylvia - 29. Jan, 14:23
Donnerstag, 27. Januar 2005
Gerade befinde ich mich ueberhalb von Hongkong Island in einem Cafe auf dem sogenannten Peak, ein Aussichtspunkt. Hongkong ist umgeben von gruenen Bergen und auf einem sitze ich gerade :-) den Ausblick geniessend, denn mittlerweile ist es schon dunkel und mein erster Tag neigt sich dem Ende.
Die letzten Tage waren sehr stressig, denn mein Abschied von Shanghai wurde durch den Diebstahl meiner Geldboerse gekroent. An dem Tag lief irgendwie alles schief und das war dann noch der absolute i-Punkt. Ich hatte aber Glueck gehabt, denn meine EC-Karte und der Reisepass waren daheim. Viel Bargeld hatte ich auch nicht dabei, aber halt den Fuehrerschein und den Perso. Aber gut, wenn ich damit dann fuer dieses Jahr durch bin, dann fuege ich mich schicksalsergeben. Nun bin ich jedenfalls noch vorsichtiger geworden, denn die Situation war nicht leichtsinnig. Ich trage die Kamera, das Geld und die Ausweise nur noch am Koerper.
Gestern bin ich aufgrund meines verspaeteten Fluges erst im Dunkeln in Hongkong gelandet. Die Fahrt war sehr aufregend, denn hier ist alles wie auf dem Times Square in NYC! Ueberall sind ueberlebensgrosse Werbetafeln und es blinkt und glitzert noch und noecher. Ziehmlich schnell kam die Ernuechterung, denn ich hatte kein Zimmer reserviert und das Hostel, welches ich zuerst anlief gibt es schon seit einem Jahr nicht mehr: prima! Ja aktuelle Reisefuehrer haben schon was fuer sich. Also bin ich mit meinem gesamten Gepaeck in einer Stadt unterwegs, die ich nicht kenne. Die Taxifahrer haben mich nicht verstanden, oder wollten es nicht: keine Ahnung. So kam schnell schlechte Laune auf. Letztendlich bin ich auch in einer totalen Absteige gelandet. Obwohl ich ein Einzelzimmer mit Bad habe, waere ich auf einer Parkbank sicherlich besser aufgehoben. Das Zimmer hat kein Fenster, keinen Schrank und ist super ecklig, klein und modrig! Uh, wenn ich schon dran denke, schaudert es mir. Trotzdem bleib ich erstmal da, denn fuer 10 Euro pro Nacht finde ich sicherlich nichts vergleichbares, was so zentral liegt. Ausserdem bin ich stets den gesamten Tag unterwegs und selten vor Mitternacht daheim. Dann bin ich so erschlagen, dass ich nur in den Schlafsack schluepfe. Das Licht lass ich Tag und Nacht brennen, denn ich bilde mir ein, dass mich so die Kakis nicht besuchen kommen. Iiiihhh, ich weiss nicht was ich mach, wenn ich so ein Vieh sehe. Toitoitoi, noch habe ich keine gesehen oder gehoert! Gaensehaut...
Unter all diesen Voraussetzungen war mein erster Eindruck ueber Hongkong etwas unterkuehlt, obwohl die Temperaturen von 20 Grad Celsius mich das erste Mal auf meiner Reise zum schwitzen bringen. Nach dem ersten vollstaendigen Tag hier muss ich allerdings meine Meinung um 180 Grad revidieren.
Begonnen habe ich den Tag ganz smooth bei Starbucks, wo ich mir erstmal einen Plan zurecht legen wollte. Aber das erwies sich als recht schwierig, denn Honkong besteht aus mehreren Inseln und ueberall gibt es was anzuschauen. Wie kommt man da aber hin? Also bin ich erstmal zum Touristcenter und habe mir weitere Infos besorgt. Ganz begeistert bin ich von dem Heftchen mit empfohlenen Spaziergaengen, denn da kann man verschiedene Routen ablaufen und hat zu den Sehenswuerdigkeiten gleich einige Erklaerungen zum Nachlesen. Die Ecken, die besonders reizvoll scheinen, kuck ich mir dann auch intensiver an.
So war ich heute im Central & Western Disrtict, wo es die erstaunlichsten Sachen zu kaufen gibt. Neben getrockneter Fledermaus am Stiel, haette ich eingelegte Rehembryonen, Fische, Seepferdchen und Entenhaut kaufen koennen. Hmmm, naja ich hatte da nicht den notwendigen Appetit. Aber ein leeres Vogelnest haette es ja auch getan, schliesslich sollen die ein langes Leben und Energie garantieren. Ich war mir allerdings nicht sicher, wie das dann verabreicht wird: isst man sowas oder haengt man sich das ueber's Bett?!? Naja...
Aufgefallen ist, dass die Stadt total im Smog erstickt. Die Luft ist furchtbar, bedingt durch das immense Verkehrsaufkommen. Die Sonne kann sich kaum Platz schaffen und so hab ich staendig den Eindruck, dass es bewoelkt ist.
Honkong ist nicht mit Shanghai oder gar Peking vergleichbar. Die Menschen sind im Gegensatz so westlich, schon allein von den Gesichtern. Ihnen fehlt weitgehend dieser mongolische Einschlag. Ausserdem treten sie viel aufgeschlossener auf. Von der Kleindung ist es nicht anders als in NYC oder Europa. Also kein Vergleich zu den "wirklich" chinesischen Metropolen.
So richtig begeistert hat mich Honkong allerdings erst, seitdem ich hier auf dem Peak bin. Die Tramfahrt war aufregend, denn es geht richtig steil den Berg hoch. Ich habe mir das alles voll ueberlaufen vorgestellt, umso ueberraschter war ich als ich waehrend meines 3-stuendigen Spaziergangs um den Berg nur wenigen Menschen begegnet bin. Die meisten Touristen halten sich nur um dieses Vergnuegungs- und Versorgungszentrum auf, obwohl es gerade auf der anderen Seite viel schoener ist. Dort fuehle ich mich zeitweise wie in der Karibik, denn ueberall wachsen riesige Bambuspflanzen, Gummi- und Bananenbaeume. An einigen Punkten ist es sogar total still. Allerdings sind die Haenge betoniert, sodass die Baeume wie aus Blumentoepfen aus der Erde kucken! Ich denke, dass somit gegen die Bodenerosion vorgegangen wird.
Jedenfalls wirkte alles total unwirklich.
Waehrend ich in Shanghai die Kontraste zwischen alten, traditionellen Vierteln und hochmodernen Einkaufsstrassen bestaunte, fasziniert mich in Honkong die Koexistenz von absolutem Grossstadttumult und wilder Natur. Hier auf dem Peak habe ich viele schoene Voegel und Schmetterlinge gesehen und in der Stadt liegen die getrockneten Tiere in den Laeden: crazy!!! Doch dieser Tag zeigt Wirkung und ich bin nun auch zum ein Hongkong-Fan geworden....
sylvia - 27. Jan, 13:14