Dienstag, 11. Oktober 2005

Frühlingsausflug

Am Samstag Morgen ging es nach einigen Startschwierigkeiten mitsamt all meinen Mitbewohnern auf in Richtung Westen an den Strand. Rodrigo, Carlos, Maggie und deren Freundin Denise aus Chile, Tess und Deborah aus Australien, Edwin aus Nicaragua und ich :o)

Schon die Fahrt war super schön, denn Chile schien speziell für diesen Tag sein Frühlingskleid angezogen zu haben. Es blüht hier überall in den schönsten Farben und Formen. Auch die Sonne fehlte nicht...

Chile ist ein sehr bergiges Land und so ging es für 3 Stunden über Berge und Hügel, durch Täler, vorbei an Dörfern und Städten bis wir endlich das Meer entdeckten. Nicht zuletzt passierten wir die riesigen Sanddünen im Norden von Valparaiso, die sehr beeindruckend sind. Derzeit sind Gespraeche im Gange, diese Sandberge abzutragen um eine riesige Baulandflaeche zu gewinnen. Ich kann nur hoffen, dass dieses Unternehmen nicht gelingt, denn die Kueste Chiles (vor den Toren Santiagos) ist teilweise bereits arg zugebaut.

Horcón ist ein winzig kleines Fischerdoerfchen circa 25 km noerdlich von Valparaiso. Hier befindet sich eine kleine Hippie-Gemeinde und alles ist sehr "tranquillo"!

Das Ferienhaeuschen, welches einem Freund von Carlos gehoert, liegt traumhaft schoen direkt auf einer Landzunge am Meer. Vom Dorfzentrum muss man 30 Minuten bis dahin laufen, aber ueber knuterbunt bluehende Wiesen und Felder. Gluecklicherweise habe ich auch gerade neue Fotos hochgeladen, damit Du Dir gleich mal ein Bild machen kannst ;o)

Den Samstag in Horcón haben wir damit begonnen uns erstmal haeuslich einzurichten und die Gegend zu erkunden.
Der erste Ausflug fuehrte zum Strand, wo die Fischer aus ihren kleinen Booten den frischsten Fisch verkauften. Eine herrliche Atmosphaere, die auch uns dazu verleitete dort fuer das Abendbrot einzukaufen! Danach gab es dann Empanada, diesmal mit Meeresfruechten gefuellt im angesagtesten Restaurant des Dorfes.

Die naechsten Tage haben wir damit verbracht zu relaxen, spazieren zu gehen, zu lesen, zu quatschen, Reiseplaene zu schmieden und gut zu essen. Ach wenn ich dran denke, habe ich gleich Lust wieder hin zu duesen.

Leider hatte das Treffen mit Ariel am Montag nicht geklappt. Es ging alles schief, was nur haette schief gehen koennen. Ich habe in Horcón meine Telefonkarte verloren und konnte Ariel nicht mehr rechtzeitig erreichen... Na lange Geschichte, aber ich hoffe aufgeschoben ist nicht aufgehoben!!! So habe ich mich doch auf den Ausritt gefreut.

Nun sind wir wieder in Santiago und der Alltag hat uns wieder. Haha, na meiner ist ja nicht wirklich anstrengend.

Donnerstag, 6. Oktober 2005

Aufregende Kurzurlaubsplanung

Das kommende Wochenende gilt in Chile als verlängertes Wochenende, denn am Montag (10. Oktober) ist hier ein Feiertag. Noch immer bin ich am rätseln, was hier eigentlich gefeiert wird, denn der Kolumbustag ist erst am 12. Oktober und gedenkt der Ankunft der spanischen Forschungsreisenden in Amerika im Jahr 1492. Na bis zum nächsten Eintrag habe ich das sicherlich in Erfahrung gebracht...

Meine tollen Mitbewohner haben über einen Freund ein Ferienhaus direkt am Strand organisiert, weshalb die gesamte WG am Samstag kurzerhand für 3 Tage umziehen wird. Ach ich hoffe, daß das Wetter mitspielt, denn ich sehe mich schon stundenlang mit netten Büchern am Strand die Sonne genießen.
Am Montag wird dann noch Ariel nachkommen und wir beiden fahren wieder zu seinen Großeltern nach Laguna Verde. Schon seit unserem letzten Ausflug, planten wir einen richtigen Tagesausflug zu Pferd. Ich bin seit meiner ersten Reitstunde voll auf den Geschmack gekommen und habe richtig Lust das Reiten zu lernen. Ariel und ich werden am Dienstag zu einem abgelegenen Strand reiten und dort den Tag verbringen, juhu! Somit tut sich für mich die Möglichkeit auf eine kleinen Kurzurlaub am Meer auf!

Das gestrige Straßentheater war im Übrigen echt lustig und aufregend. Wir sind mit diesem Wagen zur Mittagszeit durch die Fußgängerpassage Santiagos gezogen, wobei wir die Aufmerksamkeit der Leute förmlich aufsaugten. Zum Glück ist mir ja so schnell nix peinlich, deshalb habe ich meine erste Rolle auch echt genossen. Trotzdem habe ich Respekt vor richtigen Schauspielern, die für einige Stunden in einen anderen Menschen schlüpfen müßen, was echt Konzentration pur erfordert. Ich hatte nach 30 Minuten schon keine richtige Lust mehr... hehe

Am Abend kam es in unserer Nachbarschaft zu einem Vorfall, von dem ich hier berichten möchte. Denn meine Schilderungen über Santiago sind vielleicht selten kritisch genug, denn ich liebe diese Stadt, das Land und die Leute.
Santiago erstickt im Müll, da es hier zum einen kein vernünftiges Recyclingsystem gibt und zum anderen die Stadt ihrer Verantwortung zur Beseitung nur ungenügend nachkommt.
Die Folge sind zugemüllte Fußwege und Straßen, denn es gibt weder richtige Müllcontainer noch zuverläßige Abholtermine. Die Mülltüten werden einfach vor das Haus gestellt, in der guten Hoffnung, daß dieser bald abgeholt wird. Im Sommer wird dieses Übel natürlich durch die Hitze noch schlimmer. Dazu kommt, daß die streunenden Hunde diese Mülltüten auf der Suche nach Futter auseinanderreißen und alles noch weiter breit streuen.
Diese Erklärung ist wichtig, um nun endlich auch zum gestrigen Abend zu kommen. Einige Bürger haben kurzerhand eine Demonstration auf die Beine gestellt und mitten auf einer großen Straßenkreuzung allerlei Müll zusammengetragen und angezündet. Lange dauerte dies nicht, denn die Polizei bereitete dem Trubel schnell ein Ende. Es ist nun zu hoffen, daß die Medienpräsenz etwas in den Köpfen der Stadtväter bewirkt hat!

Dienstag, 4. Oktober 2005

Neue Wege - auf die Buehne

Wie ich schon des oefteren berichtet habe, bietet Santiago ein wahnsinnig breites Angebot an kulturellen Veranstaltungen. In vielen Lokalen gibt es Theaterabende, wo kostenlos Stuecke aufgefuehrt werden und in den Strassen stolpert man oft von einer Vorstellung zur naechsten.

Mein Mitbewohner Edwin nimmt nun schon seit einigen Monaten Theaterunterricht in Santiago. Oft waren wir bisher deshalb schon bei Veranstaltungen dieser Gruppe: "Compañia de teatro Azul Violeta". Mir gefallen deren improvisierten Auffuehrungen und Parties sehr gut und ich bewundere ihre Einfaelle und Ideen.

Nun steht ein neues Projekt an: ein Strassentheater! Dazu haben die Darsteller einen Wagen gebaut, der aus zwei Etagen besteht (entspricht den Klassenunterschieden) und auf Rollen durch die Strassen gezogen werden kann.
Ziel ist es, die Ungerechtigkeit in Chile darzustellen, die sich aus der ungleichen Verteilung von Geld, Lebensmitteln und harter Arbeit ergibt. Sehr wenige Leute leben hier im verschwenderischem Reichtum, ohne dafuer schwer arbeiten zu muessen. Dahingegen arbeiten viele Menschen taeglich hart, ohne sich davon viel leisten zu koennen.

Warum ich davon berichte? Nunja, es wurden noch Protagonisten gesucht und ich bin da einfach mal so mit reingerutscht. Zwar gehe ich gern ins Theater, aber bisher hab ich noch nicht mal dran gedacht selbst bei einem Stueck mitzuwirken. Also wird das fuer mich eine gaenzlich neue Erfahrung.

Heute haben wir Probe gehabt und morgen geht es schon auf die Strasse!!
Ich stelle selbstverstaendlich die Schoene und Reiche dar :o), die verschwenderisch auf der oberen Etage steht. Nico, ein anderer Schauspieler ist mein Mann und gemeinsam versuchen wir das Bild zu vermitteln, dass wir im Reichtum schwimmen. Er macht mir Geschenke, wir lachen ueber die Arbeiter, gruessen die Passanten auf der Strasse ganz arrogant, hamstern Geld und ziehen uns Koks durch die Nase... etc. Wir sind super schick angezogen und ich ausserdem mega gestylt!
In der unteren Etage stellen wir 4 Schauspieler eine Art Fliessbandarbeit dar und zwei weitere Typen ziehen diesen Wagen durch die Strasse. Klingt doch aufregend, oder? Na ich versuch natuerlich wieder Fotos zu machen, damit Du Dir ein Bild machen kannst...

Im Uebrigen habe ich gerade von unserem Ausflug nach Valparaiso einige Fotos hochgeladen, sowie eines von der Ausstellung ueber die Chinchorro-Mumien.

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