Dienstag, 20. September 2005

Der Ausflug zur Grünen Lagune

Soeben bin ich aus Valparaiso zurück gekommen, genauer gesagt von der Grünen Lagune - "Laguna Verde".
Es war ganz fantastisch, denn nun habe ich auch das richtig traditionelle Chile ein bisschen kennen lernen können.

In Laguna Verde leben die Großeltern von meinem Freund Ariel. Es ist ein winzig kleines chilenisches Dorf direkt an der Küste unweit von Valparaiso.

Am Sonntag Abend sind wir da angekommen und auch gleich auf eine "Fonda" gegangen. Das ist sowas wie ein Festzelt, wo getanzt und getrunken wird. Die gibt es für die Feiertage überall, wobei immer mächtig was los ist.
Ich war sicherlich die einzige "Gringa" (Ausländerin) auf diesem Fest. Natürlich hatte Ariel keine Gnade und ich musste die volkstümlichen Taenze mittanzen. War das ein Vergnügen für die Chilenen! :o) Haha
Aber Spass machte es auch mir auf jeden Fall...

Nach dem Tanz sind wir dann früh bis 6 Uhr morgens noch an den Strand gegangen, wo ich etwas benebelt vom chilenischen "Chicha" (eine Art süßer Wein) gleich mal bis zu den Knien im Wasser stand, weil mich eine Welle eiskalt erwischt hatte: Prima!

Am Montag haben wir erstmal ausgeschlafen und deftig gefrühstückt, bevor wir am Strand spazieren und auf den Felsen klettern waren. Dann sind wir zu einem Rodeo gegangen. Die gesamte Dorfgemeinschaft hat sich dazu zusammen gefunden. Die Männer ritten in Trachten (Hüte, Ponchos und Reitstiefel mit Sporen) auf ihren Pferden und werden "Huasos" genannt, was ungefähr den nordamerikanischen Cowboys entspricht. In einer kreisähnlichen Arena werden Rinder zusammengetrieben und gefangen, allerdings nicht wie in Spanien blutig masakriert. Ich bin kein Fan von solchen Sachen, aber hier machen schon die kleinsten chilenischen Jungs mit auf riesigen Pferden (siehe die neuesten Fotos!!!).

Das hat natürlich Lust gemacht selbst zu reiten und so hat Ariel kurzerhand ein Pferd organisiert und mir am Strand eine kurze Einführung ins Reiten gegeben. Das hat mir so gut gefallen, dass wir bald einen Tagesausritt unternehmen wollen.

Da Ariels Großmutter in dieser Woche Geburtstag hat, haben wir Abends noch mit der gesamten Familie gefeiert. Es gab leckeren Kuchen, viel Fleisch vom Grill und die typischen Empanadas, natürlich auch wieder auf ganz traditionelle Weise. Sind alles so liebe Leute, die sich trotz meiner Verständigungsprobleme sehr für Deutschland und mich interessiert haben.

Den Abend haben Ariel und ich dann wieder auf einer Fonda ausklingen lassen, allerdings etwas ruhiger, denn morgens ging es zeitig wieder nach Santiago zurück.

Nun sitz ich im Goethe-Institut, wo ich gleich mit meinen Mitbewohnern "Pünktchen und Anton" im Kino schauen werde. Da das deutsche Programmkino hier kostenlos ist, steht ein Besuch fuer unsere WG mindestens einmal wöchentlich an.

Sonntag, 18. September 2005

El dia de patria de Chile

Heute ist nun der grosse Tag fuer die Chilenen gekommen. Am 18. September 1810 wurde die erste Nationalregierung Chiles gewaehlt, ein Heer aufgestellt und eine Verfassung ausgearbeitet. Dies war der Beginn des Abspaltungsprozesses von Spanien.

Schon seit einigen Tagen steht ganz Chile dafuer auf dem Kopf. Es gibt riesige Festwiesen in den Parks von Santiago. Gestern war ich im Parque O'Higgens mit meinen Mitbewohnern. Es wird viel getrunken, gegessen und getanzt.

Heute werde ich mit Ariel in Richtung Valparaiso fahren. Das liegt cira 1,5 Busstunden in westlicher Richtung von Santiago direkt am Meer. Ariel hat mich eingeladen mit seiner Familie zu feiern, denn seine Grosseltern leben da. So habe ich das Glueck in einer typisch chilenischen Umgebung den Tag der Unabhaengigkeit zu erleben... Wir bleiben bis Dienstag dort und wollen ausser dem Feiern richtig schoen am Strand faulenzen! :o) Viva Chile....

Ganz brandaktuell gibt es seit heute einige Fotos im neuen Chile-Fotoalbum!

Samstag, 17. September 2005

Ein Land bereitet sich vor!

Am Sonntag, dem 18. September wird in Chile die Unabhaengigkeit von Spanien gefeiert. Der argentinische General José de San Martin besiegte 1817 die Spanier bei Chacabuco und ebnete damit Chiles Weg in die Freiheit.

Schon seit Wochen sind die Festtagsvorbereitungen im Gange. Die Laeden, Plaetze und Strassen sind geschmueckt mit Girlanden, Fahnen und Blumen in den chilenischen Farben: rot, weiss, blau!
Es werden schon seit Wochen die typischen Empanadas verkauft. Diese Blaetterteigtaschen haben unterschiedlichste Fuellungen (z. Bsp. Fleisch oder Kaese) und sind super lecker.
Auf den Plaetzen und in den Parks wird Cueca in volkstuemlichen Trachten getanzt, ein Erlebnis! Die Frauen tragen kunterbunte Kleider, die Maenner Ponchos, eine Art Reitstiefel und Huete. Es ist so goldig, wenn schon die Kinder wild herumwirbeln...

Die Cueca ist der offizielle Nationaltanz von Chile und eine Art Paartanz, bei dem sich die beiden Tanzpartner aufeinander zu und im Halbkreis umeinander herum bewegen. Der Tänzer und die Tänzerin tragen jeweils ein Taschentuch in ihrer rechten Hand, mit dem sie ihre Bewegungen unterstreichen.
In Chile gibt es mehrere regional unterschiedliche Variationen der Cueca mit verschiedenen Trachten.

Ich freue mich natuerlich schon sehr auf dieses Fest, denn hier steppt fuer 3 Tage der Baer!!!

Die erste Woche im Jugend-Therapiezentrum hat mir sehr gut gefallen. Noch immer macht mir mein Spanisch Probleme. Teilweise bin ich super frustriert, weil ich viel lerne und kaum Fortschritte bemerke. Und nun ist das mit den Kids nochmal schwieriger, da sie viel mit "Slang" sprechen....

Die Maedels und Jungs sind zwischen 15 und 18 Jahre alt. Das Drogenproblem ist allgegenwaertig, wobei bei den Maedchen noch dazu kommt, dass viele bereits sehr jung Muetter werden.
Die Zentrum leistet eine Nachmittagsbetreuung unter psychologischer und paedagogischer Obhut. Es gibt jeden Tag nach dem Mittagessen ein Programm, wie bspw. Gespraechstherapien oder Ausfluege.
Die Angestellten sind super nett und auch die Jugendlichen haben mich freundlich empfangen. In der ersten Woche habe ich erstmal nur in den Alltag reingeschnuppert und die Leute kennen gelernt. Bald werde ich wahrscheinlich eigene Workshops machen, denn ich habe schon viele Ideen.

Gestern war der Geburtstag meiner Mitbewohnerin Deborah. Sie ist 23 geworden und zur Feier des Tages gab es Deutschen Zupfkuchen, denn ich unter Schwerstbedingungen doch ganz gut hinbekommen habe. Zum einen gibt es hier keinen richtigen Quark, weshalb ich eine Art Frischkaese dazu umfunktionieren musste. Der war allerdings super waessrig, weshalb ich schon befuerchtete, dass aus dem Kuchen ein Pudding wird. Zum anderen ist unser Ofen eine echte Krankheit. Statt der ueblichen 40 Minuten musste der Kuchen 2 Stunden in der Roehre stehen.

Waren gestern dann zum ersten Mal tanzen in der sagenumwobenen "Blondie" Diskothek. Ist ein riesiger Schuppen auf mehreren Etagen mit recht zwiespaeltigem Ruf. Mein Mitbewohner Rodrigo meinte, dass sich dort eine wahnsinnige Fauna von seltsamen Schrillies trifft, haha.
Mir kam es vor, wie ein altes Kirchengebaeude. Die Einrichtung ist genial, ueberall haengen Leinwaende, wo die Musikvideos mitlaufen. Na und die Musik ist einmalig: 80 er Jahre ohne Unterbrechung!! Haben stundenlang abgehottet: super genial...

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