Montag, 12. September 2005

Der chilenische 11. September

Der gestrige Sonntag war ein bedeutender Tag in der chilenischen Geschichte. Vor 32 hat der damalige Oberbefehlshaber Pinochet durch einen Militaerputsch die Regierung unter Allende radikal abgesetzt. An diesem Tag herrschte Terror pur: tausende Menschen wurden interniert, gefoltert und getoetet. Bis heute ist der Verbleib von vielen Opfern unklar...

Obwohl die Demonstrationen gegen diese Gewaltherrschaft heute nur noch recht unbedeutend sind, so ist doch in den Strassen verstaerkte Polizeipraesenz zu spueren gewesen. Dazu muss ausserdem gesagt werden, dass die Uniformen der Carabineros total respekteinfloessend aussehen mit ihren Maschinenpistolen und der Kampfausruestung.

Meine Mitbewohner Deborah, Edwin und ich waren in der Stadt bummeln, als ploetzlich eine kleine Gruppe von Demonstranten durch die Strassen zog. Sie trugen Schilder mit Namen von Familienangehoerigen, die waehrend des Putsches spurlos verschwanden. Binnen weniger Sekunden kam ein wahnsinniges Polizeiaufgebot mit panzeraehnlichen Fahrzeugen und brachte die gesamte Menschenmenge in Bewegung. Wir entschieden uns daraufhin fuer den Rueckweg, als uns Leute hustenderweise und mit traendenen Augen entgegen kamen.
Auch wir spuerten gleich ein Kribbeln in der Nase und die Augen brannten uns. Ziehmlich sicher wurde von der Polizei irgendein Gas versprueht, um die Leute auseinander zu treiben... Meine Erfahrung mit diesem Tag waren also schon etwas aufregend.

Nachmittags war ich allerdings mit Ariel spazieren und die Lage war total entspannt. Es war ein wunderschoener Sonntag nachmittag und wir sind auf den "Cerro Santa Lucia" gegangen. Auf diesem Huegel mitten in der Stadt wurde die Stadt Santiago gegruendet. Heute hat man von da eine wundervolle Aussicht auf die City und die umgebenden Berge. Der Sonnenuntergang beleuchtet die Stadt in den tollsten Rot- und Gelbtoenen. Ein tolles Erlebnis!

Heute ist mein erster Tag als Voluntaer. Ich werde fuer die naechsten Wochen jeden Nachmittag in einer Einrichtung fuer Jugendliche arbeiten. Die befindet sich in Reinca, einem aermlicheren Vorort Santiagos und kuemmert sich um die nachschulische Betreuung von Kindern unter 18 Jahren. Viele unter ihnen haben Drogenprobleme. Die Einrichtung soll Alternativen zum Strassenleben schaffen. Ich bin sehr gespannt auf die Arbeit, die Kids und freue mich auf diese Erfahrung.

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