Montag, 28. November 2005

Wo gute Tropfen gewonnen werden

Nach der langen Nacht am Samstag, in der wieder ordentlich getanzt wurde - schliesslich war dies mein letztes Wochenende in Santiago - ergab sich fuer mich ein wunderschoener letzter Sonntag in Chile.

Es war der Abreisetag der Ritter´s, jenes Paearchen welches ich am Dienstag in La Isla Negra kennen lernte. Grosszuegigerweise luden sie mich erneut ein und so verbrachten wir den Tag zusammen mit einer Ausfahrt nach Buín auf das Weingut "Santa Rita".
Natuerlich kann ich Chile nicht verlassen, ohne jemals auf einem chilenischem Weingut gewesen zu sein.

Santa Rita ist ein sehr traditionsreiches Gut, welches 1880 im Maipotal (ca. 30 km vor den Toren Santiagos) gegruendet wurde. Bernardo O´Higgins (chilensicher Unabhaengigkeitskaempfer) versteckte sich hier nach der Niederlage bei Rancagua mit 120 seiner Getreuen, weshalb die Hausmarke bis heute "120" heisst.

Heute nimmt die riesige Hacienda eine Flaeche von 2.860 Hektar ein und verfuegt ueber ein wahnsinnig huebsches Heerenhaus mit Ziergarten und Restaurant.
Dorthin fuehrte uns der hungrige Magen zuerst. Das Ambiente war so klassisch und wunderschoen. Natuerlich gab es einen guten Tropfen eigenerzeugten Weissweins zum Fisch. Also solch edles Essen habe ich auf meiner Reise bisher selten gegessen, weshalb ich diesen Ausflug sehr genossen habe.

Im Anschluss wurden wir durch das Weingut gefuehrt.
Doch auch ein so schoener Sonntag muss einmal zu Ende gehen, obwohl wir sicherlich noch gern laenger im Garten gesessen und geschwatzt haetten.

Mit diesem Artikel sende ich Gudrun und Bernd ganz liebe Gruesse nach Graz in Oesterreich!!!

Freitag, 25. November 2005

Weiter auf den Spuren Nerudas

Am Dienstag ging es ein letztes Mal mit Ariel zu dessen Grosseltern nach Laguna Verde. Diesmal hat er einen ganzen Monat durchgearbeitet, damit er 2 Tage hintereinander frei bekommt.
Ja die Chilenen sind ein fleissiges Volk, sehr viele Menschen (speziell in der Gastronomie und im Tourismus) arbeiten hier 6 Tage pro Woche. Dabei koennen sie sich allerdings noch nicht mal im Ansatz das leisten, womit wir uns in Europa das Leben angenehmer machen.

Nach einem deutschen Fruehstueck mit frischen Broetchen, O-Saft und massenweise Belegmoeglichkeiten, sind wir kaum hungrig in Valparaiso eingetroffen. Allerdings sind wir lange durch die traumhaft schoene Stadt geschlendert. Mich begeistert Chiles groesste und bedeutenste Hafenstadt immer wieder aufs Neue. Wie ein Amphietheater umschliessen die 42 Huegel die Bucht und den grossen Hafen.

Allerdings ist der Wetterumschwung stets sehr gross, waehrend man in Santiago kaum atmen kann und in der Sonne bruzelt, weht am Strand doch fast schon eine kuehle Brise und der Himmel ist oft bedeckt.
Bevor es dann nach Lagune Verde ging, sind wir allerdings in einem typischen Fischrestaurant "Proa al Cañaveral" gewesen und haben uns frischen Fisch und chilenischen Weisswein schmecken lassen.

Die Zeit in Lagune Verde haben wir wie sonst auch herrlich entspannt verbracht, waren am Strand, spazieren und haben viel mit Ariels Grosseltern geschwatzt.

Da Ariel am Donnerstag wieder arbeiten musste, habe ich mich entschlossen noch einen weiteren Tag an der Kueste zu bleiben und mich erneut auf die Spuren Nerudas gemacht.

Der Dichter hatte naemlich durch seine Liebe zu Valparaiso, oder "Valpo" wie die Bewohner ihre Stadt liebevoll nennen, ein huebsches Haueschen dort gekauft. Dorthin ging meine erste Etappe. Schon wie die "Chascona" war die Einrichtung so stilvoll. Von jedem Zimmer konnte man auf die Bucht und die Stadt schauen. Es vermittelte den Eindruck wie ein kleines Valparaiso an sich, mit engen Treppchen und bunten Ecken.

Am Nachmittag stand dann noch der Besuch von "La isla negre" an. Obwohl der Name anmutet, dass es sich um eine Insel handelt, so ist es doch "NUR" ein kleines Doerfchen am Strand, ca. 1,5 Busstunden von Valpo entfernt. Hier hat sich Pablo Nerude mit seiner 3. Ehefrau Matilde ein wunderschoenes Haus gebaut. Mit direktem Meerblick hat er ein heerlich verspieltes Anwesen kreiiert und seiner Sammelleidenschaft Raum gegeben.

Bei einer spanischsprachigen Fuehrung habe ich ein nettes Paearchen aus Oesterreich kennen gelernt, die Ritter´s. Gluecklicherweise konnte ich ihnen mit meinen Spanischkenntnissen einige Informationen weitergeben, ueber die sie sich sehr freuten. Nach der Besichtigung kamen wir noch ein wenig ins Gespraech und so nahm ich doch gern deren Einladung zum Mittagessen an. So hatten wir die Moeglichkeit ein herrliches Fischgericht mit dem Blick zu uns zu nehmen, den Pablo zu vielen seiner Gedichte inspirierte...

Ein rundum schoener Tag!

Sonntag, 20. November 2005

Das Wuschelkopfhaus (La Chascona)

Wer die Moeglichkeit hat, ein Land ueber einen laengeren Zeitraum kennen zu lernen, der trifft ueber kurz oder lang auf deren Helden und Idole.
In Chile wurde ich schon gleich zu Anfang auf verschiedene Persoenlichkeiten aufmerksam.
Beispielsweise auf den Folkoriker Victor Hara, der unter Pinochets Militaerputsch grausam gefoltert und ermordet wurde.
Ich persoenlich empfinde Chile als ein Land voller Poeten, Dichter und Liedermacher. Roberto Bolano, Gabriela Mistral und Violetta Parra, um nur einige Namen zu nennen.

Der Nationalheld Chiles ist jedoch der Dichter Pablo Neruda. Waehrend meines Aufenthaltes in diesem Land habe ich bereits viele Werke von dem Nobelpreistraeger gelesen und auch einige Biographien konsumiert.
Er fuehrte ein ausergewoehnliches Leben, staendig verfolgt fuer seine politische Ueberzeugung und doch voller patriotischer Liebe fuer sein Land und sein Volk.
Er lebte viele Jahre als Botschafter in Europa, Asien und in Mexiko.

Seine 3. Ehefrau, Matilde Urrutia, verfasste ein Buch ueber ihr Leben mit ihm. Voller Einfuehlungsvermoegen schilderte sie ihre tiefe Liebe und viele Ereignisse aus deren gemeinsamen Leben bis nach dem Tod Nerudas.

Obwohl Pablo Neruda an einem Krebsleiden erlag, so folgt sein Tod doch nur wenige Tage dem gewalttaetigen Ableben der Regierung Allendes. Als ueberzeugter Kommunist sah er fuer sein Volk nach der Uebernahme Pinochets keine Hoffnung mehr. Viele Jahre lang wurden seine Werke verboten.

Heute ist Pablo Neruda wieder in aller Munde und es ist auch moeglich seine Haeuser zu besichtigen.
La Chascona war sein Domizil in Santiago, welches er als nach dem wilden Wuschelkopf Matildes benannte.

Gestern haben Carlos und ich einen Ausflug dahin unternommen und so fuehlte ich mich doch gleich ein bisschen mehr verbunden. Ich entdeckte Gegenstaende von denen Matilde in ihrem Buch berichtete und wusste genau wo und wie diese gekauft wurden.
Das nenn ich Geschichtsunterricht bzw. Landeskunde hautnah!

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