Chile
Gestern vormittag fand erneut eine von einer Gruppe der Osterinsel im Kulturhaus auf dem 880 Meter hohen innerstaedtischen Berg "Cerro San Cristóbal" statt.
Kurzer geographischer Einschub:
Rapanui (Osterinsel oder Isla de Pascua) befindet sich 3.765 km weit vom chilenischen Festland entfernt im Pazifik und gilt als der am weitesten von einem anderen bewohnten Ort entfernte Flecken Land auf dieser Erde. Mit einer durchschnittlichen Jahrestemperatur von 21 Grad Celsius und einer taeglichen Sonnenscheindauer von 7 Stunden kann diese Insel schon zu einem Besuch verlocken. Allerdings muessen von Santiago 5 Flugstunden zurueck gelegt werden und guenstig soll ein Besuch dort nicht sein. Jedoch habe ich von allen Touristen gehoert, dass ein Ausflug dahin unvergesslich schoen sein soll. Unter diesem Link gibt es viele weitere Infos, wenn es Dich interessiert.
Da Deborah`s Eltern derzeit zu Besuch sind, haben wir ihnen einen Besuch im Kulturhaus vorgeschlagen. Meine Motiviation bei dem anstrengendem Aufstieg in bruetender Hitze waren natuerlich die knackigen jungen Maenner :-)
Ja und als wuerde es mir auf der Stirn geschrieben stehen, werde ich natuerlich von so einem Sportsfreund zum Tanzen auf die Buehne gezerrt (Oh Gott). Erst war das auch kein Problem, denn viele Zuschauer mussten dran glauben. Allerdings entfernten sich ploetzlich alle anderen Taenzer und ich steh mit diesem Typ allein da. Na gut, ich also mit ihm getanzt (soweit meine Bewegungen als Tanz interpretierbar waren), als ploetzlich die anderen Maenner ankamen und so eine Art Balztanz mit mir veranstalteten. Ich wusst gar nicht, wo ich zuerst hinschauen sollte! Also so was Schoenes... das sollte mir mal ohne Publikum passieren!!!
(Kein Angst Maedels, ich habe Beweisvideos! Also beim naechsten Weiberabend wird gemeinsam geschmachtet)
Ansonsten ergibt sich in letzter Zeit nicht so viel Spannendes und Aufregendes. Denn auch hier tritt langsam Alltagsstimmung ein. Durch meinen arbeitsreichen Sydneyaufenthalt konnte ich genug Geld sparen, um hier nicht wieder schufften zu muessen. So schlaf ich jeden Tag aus, richtig schoen lange. Danach verbring ich meinen Tag mit Lesen, Sprache lernen, Freunde treffen, Emails schreiben, einkaufen und alles was so Spass macht.
Die Abende verbringen wir meist in meiner WG, wobei Ariel oft zu Besuch kommt. Wir kochen alle gemeinsam, quatschen stundenlang bei chilenischem Rotwein und geniessen die lauen Sommernaechte in Santiago.
sylvia - 30. Okt, 18:23
Seit einigen Stunden bin ich nun wieder zurück in Santiago: puh was für eine Hitze!!!
In Laguna Verde ist es im Gegensatz zur Hauptstadt angenehm, da humid. Welch grosser Unterschied doch zwischen den Orten in unmittelbaren Kuestennaehe und dem Kochkessel Santiago herrscht! Die Stadt ist im Westen von den riesigen Anden und im Osten von dem Kuestengebirge umgeben. Deshalb sammelt sich hier die heisse Luft, kaum ruehrt sich ein Lueftchen und der Smog kann sich hier gut festsetzen.
Ariel und ich haben den gesamten Tag am Strand vertroedelt... Viel unternommen haben wir nicht! Deshalb gibt es nicht viel von unserem Ausflug zu erzaehlen... Ich mag seine Grosseltern total und bin unheimlich gern dort. Leider bekommt Ariel nur 2 Tage im Monat frei, weshalb unsere Ausfluege immer viel zu kurz sind.
Am Wochenende stehen viele Moeglichkeiten offen. Zum einen will ich endlich mal meine Museumsliste in Angriff nehmen, zum anderen meine verbleibenden 7 Wochen planen, mit Debbie und Edwin werde ich am Sonntag einen Ausflug machen und und und... Mal sehen, was ich verwirklichen werde!
sylvia - 20. Okt, 19:30
... denn gleich geht es wieder in Richtung Strand :o) Ariel und ich werden heute unseren vermasselten Kurzausflug nach Laguna Verde nachholen.
Habe den gesamten Vormittag in der Kueche verbracht, um ein Picknick fuer morgen vorzubereiten. Ausserdem habe ich fuer Ariels Grosseltern einen echten deutschen Kuchen gebacken.
Das Wetter ist derzeit bombastisch: blauer Himmel, Sonnenschein und angenehm warme Temperaturen. Ich liebe es ja nachts mit "speerangelweit" geoeffneten Fenstern zu schlafen und frieren zu muessen!
Am Wochenende war mal wieder Feiern angesagt. Freitag war ich mit Debbie und Edwin im Viertel Bellavista tanzen. Haben uns bis 2.30 Uhr im
Casa en el Aire verquasselt. Dort ist es so gemuetlich, weil mit viel Liebe eingerichtet und dekoriert. Der Name stammt aus dem gleichnamigen Gedicht von dem kolumbianischen Dichter Rafael Esclona und handelt von seinem Wunsch der Tochter einen Ort des Rueckzugs vor jeglichen irdischen Problemen zu ermoeglichen. Er moechte ihr ein Haus im Himmel bauen... entzueckend!
Anschliessend ging es dann noch fuer einige Rhytmen in einen sehr schraegen Club, wo eine Striptease-Show stattfand. Nunja, ob die Jungs und Maedels die Klamotten nicht mal lieber anbehalten haetten?!?
Am Samstag hatten wir Karten fuer eine Kostuemparty von jener besagten Theatergruppe. In letzter Minuten und nach einigen Caipiriñas haben wir dann die fantastische Idee gehabt, uns als "Internationale Presse" zu verkleiden. Dazu haben wir uns aus alten Zeitungen Klamotten gebastelt und unsere Gesichter mit den Namen der heimatlichen Tageszeitungen beschriftet!! Carlos war der chilenische"Mercurio", Debbie der australische "Canberra Courier", Edwin die nikaraguanische "Tercera" und ich natuerlich die deutsche "Zeit". Ein Foto findest Du im Bilderalbum! Die Party war echt gelungen, wir waren super lustig unterwegs und haben immens viel getanzt. Zwischendurch gab es immer wieder Tanzvorstellungen, die mega genial waren. Unter anderem ein Paeaerchen, welches Tango tanzte: mit einem Ausdruck und einer unglaublichen Grazie!
Ganz klar war unsere Verkleidung ja wohl die originellste. Allerdings hatte sich diese am fruehen Morgen dann in Wohlgefallen aufgeloest und lag verstreut im
gesamten Saal herum! Ein Bild der Verwuestung...
sylvia - 18. Okt, 20:39
Am Samstag Morgen ging es nach einigen Startschwierigkeiten mitsamt all meinen Mitbewohnern auf in Richtung Westen an den Strand. Rodrigo, Carlos, Maggie und deren Freundin Denise aus Chile, Tess und Deborah aus Australien, Edwin aus Nicaragua und ich :o)
Schon die Fahrt war super schön, denn Chile schien speziell für diesen Tag sein Frühlingskleid angezogen zu haben. Es blüht hier überall in den schönsten Farben und Formen. Auch die Sonne fehlte nicht...
Chile ist ein sehr bergiges Land und so ging es für 3 Stunden über Berge und Hügel, durch Täler, vorbei an Dörfern und Städten bis wir endlich das Meer entdeckten. Nicht zuletzt passierten wir die riesigen Sanddünen im Norden von Valparaiso, die sehr beeindruckend sind. Derzeit sind Gespraeche im Gange, diese Sandberge abzutragen um eine riesige Baulandflaeche zu gewinnen. Ich kann nur hoffen, dass dieses Unternehmen nicht gelingt, denn die Kueste Chiles (vor den Toren Santiagos) ist teilweise bereits arg zugebaut.
Horcón ist ein winzig kleines Fischerdoerfchen circa 25 km noerdlich von Valparaiso. Hier befindet sich eine kleine Hippie-Gemeinde und alles ist sehr "tranquillo"!
Das Ferienhaeuschen, welches einem Freund von Carlos gehoert, liegt traumhaft schoen direkt auf einer Landzunge am Meer. Vom Dorfzentrum muss man 30 Minuten bis dahin laufen, aber ueber knuterbunt bluehende Wiesen und Felder. Gluecklicherweise habe ich auch gerade neue Fotos hochgeladen, damit Du Dir gleich mal ein Bild machen kannst ;o)
Den Samstag in Horcón haben wir damit begonnen uns erstmal haeuslich einzurichten und die Gegend zu erkunden.
Der erste Ausflug fuehrte zum Strand, wo die Fischer aus ihren kleinen Booten den frischsten Fisch verkauften. Eine herrliche Atmosphaere, die auch uns dazu verleitete dort fuer das Abendbrot einzukaufen! Danach gab es dann Empanada, diesmal mit Meeresfruechten gefuellt im angesagtesten Restaurant des Dorfes.
Die naechsten Tage haben wir damit verbracht zu relaxen, spazieren zu gehen, zu lesen, zu quatschen, Reiseplaene zu schmieden und gut zu essen. Ach wenn ich dran denke, habe ich gleich Lust wieder hin zu duesen.
Leider hatte das Treffen mit Ariel am Montag nicht geklappt. Es ging alles schief, was nur haette schief gehen koennen. Ich habe in Horcón meine Telefonkarte verloren und konnte Ariel nicht mehr rechtzeitig erreichen... Na lange Geschichte, aber ich hoffe aufgeschoben ist nicht aufgehoben!!! So habe ich mich doch auf den Ausritt gefreut.
Nun sind wir wieder in Santiago und der Alltag hat uns wieder. Haha, na meiner ist ja nicht wirklich anstrengend.
sylvia - 11. Okt, 21:24
Das kommende Wochenende gilt in Chile als verlängertes Wochenende, denn am Montag (10. Oktober) ist hier ein Feiertag. Noch immer bin ich am rätseln, was hier eigentlich gefeiert wird, denn der Kolumbustag ist erst am 12. Oktober und gedenkt der Ankunft der spanischen Forschungsreisenden in Amerika im Jahr 1492. Na bis zum nächsten Eintrag habe ich das sicherlich in Erfahrung gebracht...
Meine tollen Mitbewohner haben über einen Freund ein Ferienhaus direkt am Strand organisiert, weshalb die gesamte WG am Samstag kurzerhand für 3 Tage umziehen wird. Ach ich hoffe, daß das Wetter mitspielt, denn ich sehe mich schon stundenlang mit netten Büchern am Strand die Sonne genießen.
Am Montag wird dann noch Ariel nachkommen und wir beiden fahren wieder zu seinen Großeltern nach Laguna Verde. Schon seit unserem letzten Ausflug, planten wir einen richtigen Tagesausflug zu Pferd. Ich bin seit meiner ersten Reitstunde voll auf den Geschmack gekommen und habe richtig Lust das Reiten zu lernen. Ariel und ich werden am Dienstag zu einem abgelegenen Strand reiten und dort den Tag verbringen, juhu! Somit tut sich für mich die Möglichkeit auf eine kleinen Kurzurlaub am Meer auf!
Das gestrige Straßentheater war im Übrigen echt lustig und aufregend. Wir sind mit diesem Wagen zur Mittagszeit durch die Fußgängerpassage Santiagos gezogen, wobei wir die Aufmerksamkeit der Leute förmlich aufsaugten. Zum Glück ist mir ja so schnell nix peinlich, deshalb habe ich meine erste Rolle auch echt genossen. Trotzdem habe ich Respekt vor richtigen Schauspielern, die für einige Stunden in einen anderen Menschen schlüpfen müßen, was echt Konzentration pur erfordert. Ich hatte nach 30 Minuten schon keine richtige Lust mehr... hehe
Am Abend kam es in unserer Nachbarschaft zu einem Vorfall, von dem ich hier berichten möchte. Denn meine Schilderungen über Santiago sind vielleicht selten kritisch genug, denn ich liebe diese Stadt, das Land und die Leute.
Santiago erstickt im Müll, da es hier zum einen kein vernünftiges Recyclingsystem gibt und zum anderen die Stadt ihrer Verantwortung zur Beseitung nur ungenügend nachkommt.
Die Folge sind zugemüllte Fußwege und Straßen, denn es gibt weder richtige Müllcontainer noch zuverläßige Abholtermine. Die Mülltüten werden einfach vor das Haus gestellt, in der guten Hoffnung, daß dieser bald abgeholt wird. Im Sommer wird dieses Übel natürlich durch die Hitze noch schlimmer. Dazu kommt, daß die streunenden Hunde diese Mülltüten auf der Suche nach Futter auseinanderreißen und alles noch weiter breit streuen.
Diese Erklärung ist wichtig, um nun endlich auch zum gestrigen Abend zu kommen. Einige Bürger haben kurzerhand eine Demonstration auf die Beine gestellt und mitten auf einer großen Straßenkreuzung allerlei Müll zusammengetragen und angezündet. Lange dauerte dies nicht, denn die Polizei bereitete dem Trubel schnell ein Ende. Es ist nun zu hoffen, daß die Medienpräsenz etwas in den Köpfen der Stadtväter bewirkt hat!
sylvia - 6. Okt, 22:21
Wie ich schon des oefteren berichtet habe, bietet Santiago ein wahnsinnig breites Angebot an kulturellen Veranstaltungen. In vielen Lokalen gibt es Theaterabende, wo kostenlos Stuecke aufgefuehrt werden und in den Strassen stolpert man oft von einer Vorstellung zur naechsten.
Mein Mitbewohner Edwin nimmt nun schon seit einigen Monaten Theaterunterricht in Santiago. Oft waren wir bisher deshalb schon bei Veranstaltungen dieser Gruppe: "Compañia de teatro Azul Violeta". Mir gefallen deren improvisierten Auffuehrungen und Parties sehr gut und ich bewundere ihre Einfaelle und Ideen.
Nun steht ein neues Projekt an: ein Strassentheater! Dazu haben die Darsteller einen Wagen gebaut, der aus zwei Etagen besteht (entspricht den Klassenunterschieden) und auf Rollen durch die Strassen gezogen werden kann.
Ziel ist es, die Ungerechtigkeit in Chile darzustellen, die sich aus der ungleichen Verteilung von Geld, Lebensmitteln und harter Arbeit ergibt. Sehr wenige Leute leben hier im verschwenderischem Reichtum, ohne dafuer schwer arbeiten zu muessen. Dahingegen arbeiten viele Menschen taeglich hart, ohne sich davon viel leisten zu koennen.
Warum ich davon berichte? Nunja, es wurden noch Protagonisten gesucht und ich bin da einfach mal so mit reingerutscht. Zwar gehe ich gern ins Theater, aber bisher hab ich noch nicht mal dran gedacht selbst bei einem Stueck mitzuwirken. Also wird das fuer mich eine gaenzlich neue Erfahrung.
Heute haben wir Probe gehabt und morgen geht es schon auf die Strasse!!
Ich stelle selbstverstaendlich die Schoene und Reiche dar :o), die verschwenderisch auf der oberen Etage steht. Nico, ein anderer Schauspieler ist mein Mann und gemeinsam versuchen wir das Bild zu vermitteln, dass wir im Reichtum schwimmen. Er macht mir Geschenke, wir lachen ueber die Arbeiter, gruessen die Passanten auf der Strasse ganz arrogant, hamstern Geld und ziehen uns Koks durch die Nase... etc. Wir sind super schick angezogen und ich ausserdem mega gestylt!
In der unteren Etage stellen wir 4 Schauspieler eine Art Fliessbandarbeit dar und zwei weitere Typen ziehen diesen Wagen durch die Strasse. Klingt doch aufregend, oder? Na ich versuch natuerlich wieder Fotos zu machen, damit Du Dir ein Bild machen kannst...
Im Uebrigen habe ich gerade von unserem Ausflug nach Valparaiso einige Fotos hochgeladen, sowie eines von der Ausstellung ueber die Chinchorro-Mumien.
sylvia - 4. Okt, 21:28
Gestern haben wir nun endlich mal die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und den lang geplanten Tagesausflug nach Valparaiso unternommen. Wir, das sind meine Mitbewohner Deborah, Edwin, Carlos und ich.
Mit dem Bus fährt man 1,5 Stunden in westlicher Richtung, um zur bedeutendsten Hafenstadt Chiles zu gelangen.
Schon um 7.30 Uhr morgens verliessen wir schlaftrunken das Haus. Solch eine unchristliche Zeit sind wir schon lang nicht mehr gewoehnt ;o) Somit haben wir von der Fahrt auch nicht viel mitbekommen: Schlummer!
In Valparaiso angekommen sind wir erstmal zum Aufwachen über einen Flohmarkt geschlendert, wo es an diesem Sonntagmorgen von Verkäufern nur so gewuselt hat.
Lange hielt es uns vorerst nicht in der Stadt und so nahmen wir den naechsten Kleinbus zum Strand von Viña del Mar. Viña gilt als Touristenhochburg und bietet vorwiegend für die Bürger Santiago's eine beliebte Abwechslung zum städtischen Stress, Smog, Lärm und Chaos.
Derzeit hat die Saison in Chile gerade erst begonnen und der Strand war somit angenehm leer. Nachdem die Jungs das kühle Nass ausgekostet haben (Mir war es mit meiner Erkältung zu frostig), erhielt ich meine erste Stunde im
Capoeira. Deborah ist super gut darin und so haben wir den gesamten Vormittag mit diesem brasilianischen Kampftanz verbracht.
Während unseres Picknicks tat sich leider plötzlich der Himmel auf und es regnete bis zum Abend. Somit hat sich unser Aufenthalt anders gestaltet, als wir geplant haben. In einem Restaurant in Viña warteten wir vergebens darauf, dass sich die dicken Wolken mit dem Regen verziehen.
Letztendlich blieb uns nichts anderes übrig, als die Stadt Valparaiso's bei Regen kennen zu lernen. Doch die besondere Atmosphäre der Stadt ist trotzdem gut spürbar gewesen; Valparaiso hat einfach Charme...
...es sind die Ecken und Winkel; es sind die Stufen und Treppen, die auf über fünfzig Hügel hinauf- und wieder hinabführen; es sind die dicht gedrängten bunten Häuser, die sich wie durch ein Wunder an den steilen Hängen festhalten; es sind die altmodischen, aber romantischen Standseilbahnen, die den Bewohnern für ein paar Pesos einen anstrengenden Aufstieg ersparen - kurz, es ist das liebenswürdige und bunte Durcheinander, das das Bild dieser Stadt bestimmt.
Mit passendem Zitat möchte ich mich für heute verabschieden:
„Treppen! Keine Stadt hat sie in ihrer Geschichte so verschwendet und aufgeblättert, hat sie in ihrem Angesicht so ausgestreut und vereint wie Valparaíso. Wenn wir alle Treppen Valparaísos begangen haben, sind wir um die Welt gereist“ (Pablo Neruda)
P.S. Ich möchte mich ganz herzlich bei "MacGuffin" für die Postkarte aus der Schweiz bedanken. Ich freue mich sehr, daß meine Reiseberichte auch außerhalb meines Freundes- und Bekanntenkreises verfolgt werden und eine Portion Reisefieber wecken!
sylvia - 3. Okt, 23:00
Derzeit befindet sich in der Metrostation "Baquedano" eine Ausstellung ueber die Chinchorros. Sie gelten weltweit als die aeltesten Mumien. Forscher datieren ihren Tod auf einen Zeitraum um circa 5.000 Jahre v.Chr.
Im Jahre 1907 fand ein deutscher Forscher die ersten Exemplare dieser ehemaligen Fischerpopulation. Sie lebten einst im aeussersten Norden Chiles, an der Kueste der Atacamawueste.
Obwohl deren handwerkliche Geschicke recht primitiv waren, so entwickelten sie doch eine ausergewoehnliche Technick zur Mumifizierung. Heute, mehr als 7.000 Jahre spaeter, sind die Koerper fast vollstaendig erhalten und ermoeglichen Einblicke in das Leben und die Gesellschaftsformen dieser Voelker.
Um einen Einblick in unsere kleine Gesellschaftsform (meine WG) zu gewaehren, habe ich 3 Fotos von der Wohnung in den Chile-Ordner gepackt :o)
Derzeit findet bei uns sowas wie ein interkultureller Kochaustausch statt, wobei Gerichte aus Nicaragua, Chile, Australien und Deutschland um die Wette gekocht werden: LECKER!
Am Wochenende planen wir an den Strand von Valparaiso zu fahren. Wahrscheinlich nur als Tagesausflug. Hoffen wir also auf gutes Wetter!!!
sylvia - 29. Sep, 18:56
Wie allgemein bekannt ist, beginnt ein tolles Wochenende natuerlich mit einer super Party am Freitag Abend.
Carlos und ich haben die gesamte Nacht auf der "Depeche Mode Party" abgehottet: super genial mit riesigen Videoleinwaenden und toller Musik.
Gegen 6:00 Uhr morgens sind wir dann nach Hause gestolpert und erstmal in einen Tiefschlaf verfallen.
Als ich gegen Mittag endlich aus dem Bett fand, hatte ich sturmfreie Bude bei herrlichstem Wetter. Deshalb habe ich es mir fuer ein paar Stunden richtig gemuetlich gemacht. Bei offenen Fenstern habe ich es mir mit Kaffee, Fruehstuecksbroetchen und einem guten Buch erstmal richtig gut gehen lassen.
Am Nachmittag kam ueberraschenderweise mein Kumpel Chris von seiner Peru-Bolivien Reise zurueck nach Santiago und hat bei mir Unteschlupf gesucht. Wir hatten uns ja auf dem Flughafen in Santiago kennen gelernt, erinnerst Du Dich? Natuerlich gab es viel zu erzaehlen, denn in den letzten drei Wochen ist bei uns beiden viel passiert.
Nach einem koestlichen Abendbrot und einigen Glaesern Wein sind wir dann mit meinen Mitbewohnern nach "Bellavista" losgezogen. Das ist aehnlich wie das "Barrio Brasil" voller Bars und Clubs, weshalb vorallem am Wochenende viele junge Leute da unterwegs sind. Wir haben uns dann dort noch mit Ariel und einem befreundetem Paearchen getroffen, weshalb wir in einer richtig grossen Runde feiern waren.
Heute haben wir einen Tagesausflug nach "Providencia" gemacht. Dieser Stadtteil Santiagos ist ein totales High-Society-Mekka. Dort fuehlt man sich ueberhaupt nicht wie in Suedamerika. Die Haeuser sind gross und voller Prunk, die Strassen mega breit und die Menschen sahen typisch europaeisch aus.
Aber im Kulturhaus auf dem Berg "Cerro Sant Cristobal" gab es eine Tanzvorfuehrung von einer Gruppe der chilenischen Osterinsel: war das traumhaft!!! Die Frauen und Maenner waren soooooo huebsch in ihren karibischen anmutenden Bastkleidung. Mir haben natuerlich die knackigen Jungs das Herz gebrochen!!!! Also so bildschoene Menschen, die ausserdem mit den Hueften schwingen und ihre Koerper bewegen, dass mir gleich ganz schwummerig wurde.... Aaahhhhh.....
Danach haben wir im Park ein schoenes Picknick gemacht. Ich hatte dazu am Morgen einen echten deutschen Nudelsalad gemacht. Ausserdem hatten wir noch Pfannkuchen dabei, also richtig lecker! Den Nachmittag haben wir unter freiem Himmel verbracht mit der warmen Fruehlingssonne im Gesicht.
Heute Abend machen wir wohl nicht mehr so viel. Ein nettes Abendbrot und vielleicht einen Videoabend.
Ich habe gleich nochmal ein paar Fotos in den Chileordner geladen!!! Musst Du gleich nochmal anschauen...
sylvia - 26. Sep, 02:19
Soeben bin ich aus Valparaiso zurück gekommen, genauer gesagt von der Grünen Lagune - "Laguna Verde".
Es war ganz fantastisch, denn nun habe ich auch das richtig traditionelle Chile ein bisschen kennen lernen können.
In Laguna Verde leben die Großeltern von meinem Freund Ariel. Es ist ein winzig kleines chilenisches Dorf direkt an der Küste unweit von Valparaiso.
Am Sonntag Abend sind wir da angekommen und auch gleich auf eine "Fonda" gegangen. Das ist sowas wie ein Festzelt, wo getanzt und getrunken wird. Die gibt es für die Feiertage überall, wobei immer mächtig was los ist.
Ich war sicherlich die einzige "Gringa" (Ausländerin) auf diesem Fest. Natürlich hatte Ariel keine Gnade und ich musste die volkstümlichen Taenze mittanzen. War das ein Vergnügen für die Chilenen! :o) Haha
Aber Spass machte es auch mir auf jeden Fall...
Nach dem Tanz sind wir dann früh bis 6 Uhr morgens noch an den Strand gegangen, wo ich etwas benebelt vom chilenischen "Chicha" (eine Art süßer Wein) gleich mal bis zu den Knien im Wasser stand, weil mich eine Welle eiskalt erwischt hatte: Prima!
Am Montag haben wir erstmal ausgeschlafen und deftig gefrühstückt, bevor wir am Strand spazieren und auf den Felsen klettern waren. Dann sind wir zu einem Rodeo gegangen. Die gesamte Dorfgemeinschaft hat sich dazu zusammen gefunden. Die Männer ritten in Trachten (Hüte, Ponchos und Reitstiefel mit Sporen) auf ihren Pferden und werden "Huasos" genannt, was ungefähr den nordamerikanischen Cowboys entspricht. In einer kreisähnlichen Arena werden Rinder zusammengetrieben und gefangen, allerdings nicht wie in Spanien blutig masakriert. Ich bin kein Fan von solchen Sachen, aber hier machen schon die kleinsten chilenischen Jungs mit auf riesigen Pferden (siehe die neuesten Fotos!!!).
Das hat natürlich Lust gemacht selbst zu reiten und so hat Ariel kurzerhand ein Pferd organisiert und mir am Strand eine kurze Einführung ins Reiten gegeben. Das hat mir so gut gefallen, dass wir bald einen Tagesausritt unternehmen wollen.
Da Ariels Großmutter in dieser Woche Geburtstag hat, haben wir Abends noch mit der gesamten Familie gefeiert. Es gab leckeren Kuchen, viel Fleisch vom Grill und die typischen Empanadas, natürlich auch wieder auf ganz traditionelle Weise. Sind alles so liebe Leute, die sich trotz meiner Verständigungsprobleme sehr für Deutschland und mich interessiert haben.
Den Abend haben Ariel und ich dann wieder auf einer Fonda ausklingen lassen, allerdings etwas ruhiger, denn morgens ging es zeitig wieder nach Santiago zurück.
Nun sitz ich im Goethe-Institut, wo ich gleich mit meinen Mitbewohnern "Pünktchen und Anton" im Kino schauen werde. Da das deutsche Programmkino hier kostenlos ist, steht ein Besuch fuer unsere WG mindestens einmal wöchentlich an.
sylvia - 20. Sep, 17:44