Donnerstag, 27. Januar 2005

Hongkong won me over

Gerade befinde ich mich ueberhalb von Hongkong Island in einem Cafe auf dem sogenannten Peak, ein Aussichtspunkt. Hongkong ist umgeben von gruenen Bergen und auf einem sitze ich gerade :-) den Ausblick geniessend, denn mittlerweile ist es schon dunkel und mein erster Tag neigt sich dem Ende.

Die letzten Tage waren sehr stressig, denn mein Abschied von Shanghai wurde durch den Diebstahl meiner Geldboerse gekroent. An dem Tag lief irgendwie alles schief und das war dann noch der absolute i-Punkt. Ich hatte aber Glueck gehabt, denn meine EC-Karte und der Reisepass waren daheim. Viel Bargeld hatte ich auch nicht dabei, aber halt den Fuehrerschein und den Perso. Aber gut, wenn ich damit dann fuer dieses Jahr durch bin, dann fuege ich mich schicksalsergeben. Nun bin ich jedenfalls noch vorsichtiger geworden, denn die Situation war nicht leichtsinnig. Ich trage die Kamera, das Geld und die Ausweise nur noch am Koerper.

Gestern bin ich aufgrund meines verspaeteten Fluges erst im Dunkeln in Hongkong gelandet. Die Fahrt war sehr aufregend, denn hier ist alles wie auf dem Times Square in NYC! Ueberall sind ueberlebensgrosse Werbetafeln und es blinkt und glitzert noch und noecher. Ziehmlich schnell kam die Ernuechterung, denn ich hatte kein Zimmer reserviert und das Hostel, welches ich zuerst anlief gibt es schon seit einem Jahr nicht mehr: prima! Ja aktuelle Reisefuehrer haben schon was fuer sich. Also bin ich mit meinem gesamten Gepaeck in einer Stadt unterwegs, die ich nicht kenne. Die Taxifahrer haben mich nicht verstanden, oder wollten es nicht: keine Ahnung. So kam schnell schlechte Laune auf. Letztendlich bin ich auch in einer totalen Absteige gelandet. Obwohl ich ein Einzelzimmer mit Bad habe, waere ich auf einer Parkbank sicherlich besser aufgehoben. Das Zimmer hat kein Fenster, keinen Schrank und ist super ecklig, klein und modrig! Uh, wenn ich schon dran denke, schaudert es mir. Trotzdem bleib ich erstmal da, denn fuer 10 Euro pro Nacht finde ich sicherlich nichts vergleichbares, was so zentral liegt. Ausserdem bin ich stets den gesamten Tag unterwegs und selten vor Mitternacht daheim. Dann bin ich so erschlagen, dass ich nur in den Schlafsack schluepfe. Das Licht lass ich Tag und Nacht brennen, denn ich bilde mir ein, dass mich so die Kakis nicht besuchen kommen. Iiiihhh, ich weiss nicht was ich mach, wenn ich so ein Vieh sehe. Toitoitoi, noch habe ich keine gesehen oder gehoert! Gaensehaut...

Unter all diesen Voraussetzungen war mein erster Eindruck ueber Hongkong etwas unterkuehlt, obwohl die Temperaturen von 20 Grad Celsius mich das erste Mal auf meiner Reise zum schwitzen bringen. Nach dem ersten vollstaendigen Tag hier muss ich allerdings meine Meinung um 180 Grad revidieren.

Begonnen habe ich den Tag ganz smooth bei Starbucks, wo ich mir erstmal einen Plan zurecht legen wollte. Aber das erwies sich als recht schwierig, denn Honkong besteht aus mehreren Inseln und ueberall gibt es was anzuschauen. Wie kommt man da aber hin? Also bin ich erstmal zum Touristcenter und habe mir weitere Infos besorgt. Ganz begeistert bin ich von dem Heftchen mit empfohlenen Spaziergaengen, denn da kann man verschiedene Routen ablaufen und hat zu den Sehenswuerdigkeiten gleich einige Erklaerungen zum Nachlesen. Die Ecken, die besonders reizvoll scheinen, kuck ich mir dann auch intensiver an.

So war ich heute im Central & Western Disrtict, wo es die erstaunlichsten Sachen zu kaufen gibt. Neben getrockneter Fledermaus am Stiel, haette ich eingelegte Rehembryonen, Fische, Seepferdchen und Entenhaut kaufen koennen. Hmmm, naja ich hatte da nicht den notwendigen Appetit. Aber ein leeres Vogelnest haette es ja auch getan, schliesslich sollen die ein langes Leben und Energie garantieren. Ich war mir allerdings nicht sicher, wie das dann verabreicht wird: isst man sowas oder haengt man sich das ueber's Bett?!? Naja...

Aufgefallen ist, dass die Stadt total im Smog erstickt. Die Luft ist furchtbar, bedingt durch das immense Verkehrsaufkommen. Die Sonne kann sich kaum Platz schaffen und so hab ich staendig den Eindruck, dass es bewoelkt ist.
Honkong ist nicht mit Shanghai oder gar Peking vergleichbar. Die Menschen sind im Gegensatz so westlich, schon allein von den Gesichtern. Ihnen fehlt weitgehend dieser mongolische Einschlag. Ausserdem treten sie viel aufgeschlossener auf. Von der Kleindung ist es nicht anders als in NYC oder Europa. Also kein Vergleich zu den "wirklich" chinesischen Metropolen.

So richtig begeistert hat mich Honkong allerdings erst, seitdem ich hier auf dem Peak bin. Die Tramfahrt war aufregend, denn es geht richtig steil den Berg hoch. Ich habe mir das alles voll ueberlaufen vorgestellt, umso ueberraschter war ich als ich waehrend meines 3-stuendigen Spaziergangs um den Berg nur wenigen Menschen begegnet bin. Die meisten Touristen halten sich nur um dieses Vergnuegungs- und Versorgungszentrum auf, obwohl es gerade auf der anderen Seite viel schoener ist. Dort fuehle ich mich zeitweise wie in der Karibik, denn ueberall wachsen riesige Bambuspflanzen, Gummi- und Bananenbaeume. An einigen Punkten ist es sogar total still. Allerdings sind die Haenge betoniert, sodass die Baeume wie aus Blumentoepfen aus der Erde kucken! Ich denke, dass somit gegen die Bodenerosion vorgegangen wird.
Jedenfalls wirkte alles total unwirklich.

Waehrend ich in Shanghai die Kontraste zwischen alten, traditionellen Vierteln und hochmodernen Einkaufsstrassen bestaunte, fasziniert mich in Honkong die Koexistenz von absolutem Grossstadttumult und wilder Natur. Hier auf dem Peak habe ich viele schoene Voegel und Schmetterlinge gesehen und in der Stadt liegen die getrockneten Tiere in den Laeden: crazy!!! Doch dieser Tag zeigt Wirkung und ich bin nun auch zum ein Hongkong-Fan geworden....

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